transmediale 2017
ever elusive
Tagline: Festival fĂŒr Kunst und digitale Kultur
Venues: Haus der Kulturen der Welt (HKW)
Date: 02.02. – 05.03.2017
Organisation: Kulturprojekte Berlin GmbH
Website: https://2017.transmediale.de/

Unter dem Titel ever elusive feiert die transmediale ihr 30-jÀhriges JubilÀum mit einem ganzen Monat voller AktivitÀten vom 2. Februar bis 5. MÀrz 2017. Vor dem Kontext einer sich stÀndig wandelnden Medienkultur betrachtet das JubilÀum die laufenden VerÀnderungen im Dialog mit der Vergangenheit: Es nutzt das kritische Wissen, das in den vergangenen Festivalausgaben gewonnen wurde, um die schwer fassbare Rolle der Medien bei der Förderung oder Verschleierung neuer Formen der HandlungsfÀhigkeit zu diskutieren. Wer oder was agiert in einer Kultur der stÀndigen Mediation?

ever elusive

Im Juli 2016 ging die Meldung durch die Medien, dass die japanische Firma Funai Electric als weltweit letztes Unternehmen zum Folgemonat ihre Produktion von VHS-GerĂ€ten einstellen werde. Es ist eine passende Ironie des Moments, dass die transmediale – als anfĂ€ngliches Videofestival, das dann zu einer Veranstaltung fĂŒr digitale Kunst und Kultur geworden ist – fast zeitgleich ihr dreißigjĂ€hriges Bestehen feiert. Der Moment bietet auch eine passende Gelegenheit, um darĂŒber nachzudenken, wie Medienkultur „immer flĂŒchtig“ ist: nicht nur hinsichtlich ihres kontinuierlichen Treibens in Richtung der nĂ€chsten Neuheit, sondern auch angesichts der zunehmend verwischten Unterscheidungen zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen und der Frage, wie sie physische Ressourcen und technokulturelle Vorstellungswelten mobilisieren.

Als die transmediale 1988 als VideoFilmFest auf die Welt kam, war sie nicht von der technokulturellen Vorstellungswelt digitaler Kultur umgeben, sondern von jener der Videokultur, die sich einem noch analogen Medium an der Schwelle zur Digitalisierung widmete. In den folgenden Jahren warf dieser digitale Wandel die Frage auf, wie die Zukunft des Videos aussehen werde. WĂŒrde es die langersehnte globale Emanzipation und Dezentralisierung etablierter Medien inspirieren, und damit neue Formen nicht linearen GeschichtenerzĂ€hlens und verkleinerte Unternehmensmodelle ermöglichen? Angesichts des Niedergangs des VHS als einem kommerziellen Produkt könnten wir diese Hoffnungen fĂŒr tot erklĂ€ren, zum TrĂŒmmerstĂŒck auf dem Boulevard zerbrochener MedientrĂ€ume, den technologische Entwicklung zu hinterlassen scheint. Aber das funktioniert nur aus einer vereinfachten, technozentrischen Perspektive – wir können nĂ€mlich beobachten, wie viele dieser frĂŒheren Fragen rund um die Digitalisierung bestimmter Medientechnologien in der Vergangenheit wieder spĂ€ter im Zusammenhang mit VerĂ€nderungen in der Gesamtgesellschaft aufkommen.

WĂ€hrend unsere Umgebung digitalisiert und vernetzt wird und unsere Interaktionen darin durch Algorithmen erweitert und optimiert werden, könnten wir danach fragen, was aus der Vorstellung von einem Medium als einer abgeschlossenen EntitĂ€t zur menschlichen Kommunikation und ReprĂ€sentation geworden ist. Wir scheinen nun vielmehr mit einer fortwĂ€hrenden Vermittlung konfrontiert zu sein. Hierin wird Technologie immer autonomer und Maschinen Wirkmacht zugeschrieben, da sie in immer komplexeren Systemen mit Maschinen kommunizieren, wobei der Mensch bloß ein RĂ€dchen im Getriebe darstellt – oder vielmehr eine Dateneinheit im Prozess. Auf diese gegenwĂ€rtige Situation bezieht sich die transmediale 2017 ever elusive, deren Titel auf die stetige VerĂ€nderung des Festivals verweist und an dessen Verschiebung von einer monomedialen zu einer transmedialen Kunstveranstaltung erinnert. Doch weist der Titel auch darĂŒber hinaus und fragt, was der grĂ¶ĂŸere Wandel der Medien hin zu einer kontinuierlichen, automatisierten und autonomen Vermittlung fĂŒr Politik, Kunst und Kultur bedeuten mag und welche neuen Formen des kritischen Zusammenlebens entlang dieser flĂŒchtigen posthumanen, unmenschlichen und nichtmenschlichen KrĂ€fte entstehen könnten. Lineare AnsĂ€tze meidend, suchen die Teilnehmer_innen der transmediale 2017 nach Antworten, indem sie die technologischen Sprachen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einem Zwischenschnitt unterziehen.

Kristoffer Gansing
KĂŒnstlerische Leitung, transmediale

Magazine Editorial

Willkommen zur transmediale 2017 ever elusive, zur Feier des dreißigjĂ€hrigen Bestehens des Festivals. FĂŒr regelmĂ€ĂŸige Besucher_innen der transmediale mag es so scheinen, als kĂ€men und gingen die Festivalthemen ohne eine klare Richtung, was ins Folgejahr mitgenommen wird. Doch das mit Conversation Piece 2016 entstandene VerstĂ€ndnis von Bedeutung als instabil und vom jeweiligen Praxiskontext abhĂ€ngig, als flĂŒchtig, prĂ€gt nun ever elusive. Das diesjĂ€hrige Programm setzt mitten in der aktuellen Entwicklung von Formen der Wirkmacht jenseits des Menschen an. ever elusive spĂŒrt den flĂŒchtigen Beziehungen zwischen Natur, Kultur und Technologie nach. Die FluiditĂ€t der verschiedenen Programmteile des Festivals spiegelt sich in der Struktur dieses Magazins wider, das kontextualisierende Materialien zum gesamten Veranstaltungsmonat versammelt. Die VerlĂ€ngerung des Festivalzeitraums anlĂ€sslich des dreißigjĂ€hrigen Bestehens der transmediale gibt uns die Möglichkeit zur einmonatigen Ausstellung alien matter. Sie begleitet als besonderes Projekt das Programm und wird gemeinsam mit den „klassischen“ drei Festivaltagen am 2. Februar im HKW eröffnet. Es folgen drei Exkursionen – thematische, eintĂ€gige Programme an unterschiedlichen Orten. Am Monatsende kehren wir dann ins HKW zurĂŒck: mit einer Abchlussveranstaltung mit Laurie Anderson sowie einer Erkundung der dreißigjĂ€hrigen Geschichte der transmediale durch besondere GĂ€ste, die archivierteArtefakte des Festivalprogramms reaktivieren.artifacts.

festival impressions
ProgrammĂŒbersicht

Das 30-jĂ€hrige JubilĂ€um der transmediale wurde ĂŒber einen Monat hinweg mit Veranstaltungen in ganz Berlin gefeiert. Die AktivitĂ€ten fanden unter dem Titel ever elusive statt, der sowohl auf die FlĂŒchtigkeit von Medienkulturen in stĂ€ndiger VerĂ€nderung verwies, als auch auf die transmediale selbst, die sich als Projekt einer Festlegung widersetzte und stĂ€ndig ihre Taktik wechselte. Die Konferenz der JubilĂ€umsausgabe der transmediale hatte zum Ziel, die verschiedenen Formen der Agency hervorzuheben und zu diskutieren, die in den sich schnell entwickelnden techno-medialen Umgebungen und Konstellationen von heute eine Rolle spielen. In Anlehnung an die Geschichte des Festivals prĂ€sentierte das Film- und Videoprogramm entschieden kĂŒnstlerische AnsĂ€tze im Umgang mit analoger und digitaler Ästhetik. Die Ausstellung alien matter befasste sich mit den neo-kybernetischen Kopplungen von Menschen, Lebewesen und Technologie sowie von menschlichen und nicht-menschlichen FĂ€higkeiten – und thematisierte die Verschiebungen in dieser Machtstruktur.

Feltivalpublikationen

Die vierte Ausgabe des transmediale/magazine beinhaltet Hintergrundinformationen, Interviews und visuelle EindrĂŒcke ĂŒber das Festival 2017 und dessen Thema ever elusive.

Die Zeitung handelt von MACHINE RESEARCH – Forschung zu Maschinen, Forschung als Maschine. Dadurch untersucht sie maschinistische Perspektiven, um einen Zustand zu suggerieren, in dem die Geisteswissenschaft durch maschinenbetriebenen Ökologien, Ontologien und Epistemologien des Denken und Handel in kritischer Perspektive gestellt wird. Sie zielt darauf ab sich mit Forschung und kĂŒnstlerischer Praxis, welche neue materialistische ZustĂ€nde von nicht-menschlichen Techno-Ökologien impliziert, zu beschĂ€ftigen.

Journal
Team

Kristoffer Gansing Artistic Director, Daphne Dragona Conference Curator, Florian WĂŒst Film & Video Curator, Inke Arns Exhibition Curator, Inga Seidler Program Coordinator, Sibylle Kerlisch Production, Amelie Buchinger Project Manager, Sabrina KĂŒrzinger Project Manager, Isabelle Busch Project Manager, Katharina Gratzl-Karnitschnig Administration & Finance, Sanga Lenz Administration, Sujmo Akcali Administration Exhibition, Giulia Messia Participant Management, Filippo Gianetta Marketing & Communications, Tabea Hamperl Press, Maria Lechner Marketing, Charlotte Finke Communications, Natalie SchĂŒtze Communications, Nina Prigge Accreditation & Tickets, Nicola Angelillis Info Counter, Editors Arielle Bier, Fiona Shipwright, Elvia Wilk, Translators Janet Leyton-Grant, Jennifer Sophia Theodor, Technical Support by serve-u: Phillip SĂŒnderhauf, Andreas Buchholz, Marc Klische, Graphic Design by The Laboratory of Manuel BĂŒrger: Manuel BĂŒrger, Simon Schindele, Alexander Papoli-Barawati, Stefanie Ackermann, Website Development by einskommanull: Laura Oldenbourg, Sebastian Göbel, Michael Scharnagl

Beirat Alex Adriaansens, Marie-Luise Angerer, Dieter Daniels, Jan Edler, Micz Flor, Moritz van DĂŒlmen, Hortensia Völckers

Festivalarchitektur von raumlaborberlin, Francesco Apuzzo with Nina Peters and Ryan Kelso-Lewis

Supporters

Gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes, Kultur Projekte Berlin, HKW, Medienboard Berlin Brandenburg, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung

alien matter Austellung: Lotto Stiftung Berlin, Deutsches Architektur Zentrum

Partner: CTM Festival, Aarhus University, Winchester School of Arts, creative industries fund NL, UDK Berlin, Embassy of Canada, Schering Stiftung, Hartware MedienKunstVerein, Langenbeck Virchow Haus, Verdi, silent green, Berliner Gazette, ngbk

Sponsor: serve-u technical support, Eventbrite, YUPO

Media partner: radioeins, der Freitag Das Meinungsmedium, Berlin Art Link, Spike Magazine, berliner fenster, neural

Support: British Council, Embassy of the United States of America, Österreichisches Kulturforum, Bundeskanzleramt Österreich, Leuphana UniversitĂ€t LĂŒneburg, K3-School of Arts & Communication, Malmö University, design akademie berlin, Critical Media Lab, Institute of Experimental Design and Media Cultures, Academy of Fine Arts and Design FHNW, Concordia University, Hexagram, Echoo Konferenzdolmetschen, IN-BERLIN, Preussenquelle, Dopper