Conference
Starting from the Middle
kuratiert von Daphne Dragona
Haus der Kulturen der Welt (HKW)
2 February – 5 February 2017

Daphne Dragona, Kuratorin der Konferenz der transmediale 2017, erklĂ€rt, wie sich das diesjĂ€hrige Programm auf das Konzept der „Mitte“ stĂŒtzt. HierfĂŒr setzt sie die sich wandelnde Rolle von Wirkmacht mit der zunehmenden Verflechtung von Menschlichem und Nichtmenschlichem ins VerhĂ€ltnis.

  1. Audience at the talk "The Temporary Library"

  2. Kristoffer Gansing introducing "Binary Primitivism", talk by UBERMORGEN

  3. Hans Bernhard representing UBERMORGEN at the talk "Binary Primitivism"

  4. Inke Arns introducing the talk "Dulling Down – The Obsolescence of Intelligence"

  5. Constant Dullaart at the talk "Dulling Down – The Obsolescence of Intelligence"

  6. Impression of the talk "Dulling Down – The Obsolescence of Intelligence"

  7. Impression of the talk "Dulling Down – The Obsolescence of Intelligence"

  8. Nora N. Kahn at the talk "Dulling Down – The Obsolescence of Intelligence"

  9. Nora N. Kahn at the talk "Dulling Down – The Obsolescence of Intelligence"

In der heutigen Zeit der Beschleunigung ist es hĂ€ufig schwierig zu erkennen, wo die Rolle des Menschen aufhört und die der Maschine beginnt. Mit der zunehmenden Bedeutung von Systemen Maschinellen Lernens, Instanzen KĂŒnstlicher Intelligenz, technologischen Organismen und intelligenten Infrastrukturen entstehen laufend neuartige, komplexe TechnoÖkologien und HybriditĂ€ten. In diesen neuen VerschrĂ€nkungen wird Technologie als natĂŒrlich wahrgenommen und Vermittlung unmittelbar. Sie beeinflussen die Gestaltung der ökonomischen und gesellschaftspolitischen Situation, wĂ€hrend sie die Überlegenheit menschlicher Handlungsmacht infrage stellen. Wie gewöhnlich – und wie merkwĂŒrdig – ist dieses Autonom-Werden und Zur-Umgebung-Werden von Technik fĂŒr ihre Nutzer_innen? Wie können diese aufkommenden maschinellen Ökologien angewendet werden und fĂŒr wen sind sie von Nutzen? Welche neuen Formen digitaler Hegemonie werden angenommen, wenn einige Akteur_innen herausgefiltert oder außer Acht gelassen werden?

Die Konferenz der transmediale 2017 ever elusive nimmt diese Fragen zum Ausgangspunkt der Diskussion und unterstreicht die verschiedenen Formen von Wirkmacht, die an den heutzutage schnell entstehenden technisch-medialen Umgebungen und Konstellationen beteiligt sind. Sie taucht in verschiedene ZwischenrĂ€ume und Vermittlungszonen ein, die aus GerĂ€ten, Programmen, kĂŒnstlichen EntitĂ€ten und menschlicher Beteiligung bestehen, und verhandelt unsere Rolle darin. Sie erkundet, was die Herausforderung der „Dezentrierung des Menschlichen“ bedeuten könnte, und beachtet dabei optimistische Szenarien ebenso wie kritische Auseinandersetzungen und Alternativen, die neue Möglichkeiten der Wahrnehmung des Nichtmenschlichen aufgreifen.

  1. Joanna Zylinska at the talk "Nonhuman Photography: Dispatches from the End of the World"

  2. Joanna Zylinska at the talk "Nonhuman Photography: Dispatches from the End of the World"

  3. Elvia Wilk (left) in conversation with Joanna Zylinska (right) at the talk "Nonhuman Photography: Dispatches from the End of the World"

  4. Elvia Wilk (left) in conversation with Joanna Zylinska (right) at the talk "Nonhuman Photography: Dispatches from the End of the World"

  5. Alessandro Ludovico (left) and Jussi Parikka (right) at the talk "The Temporary Library"

  6. Alessandro Ludovico (left) and Jussi Parikka (right) at the talk "The Temporary Library"

Besondere Bedeutung hat in dieser Auseinandersetzung das Konzept der „Mitte“, das auf zweierlei Weise angewandt wird: Die „Mitte“ beschreibt einerseits die komplexen und facettenreichen „Zwischen“-RĂ€ume der Vermittlung und Wirkmacht, die Ergebnis der allgegenwĂ€rtigen Ausdehnung von Medien sind. Andererseits verweist die „Mitte“ auf unsere Rolle „inmitten“ dieser RĂ€ume – „mittendrin“. Das Konzept kann eine Diskussion dessen unterstĂŒtzen, wie wir uns durch unsere Teilhabe in den gegenwĂ€rtigen algorithmischen Filterungen und merkwĂŒrdigen Ökologien unvermeidlich in laufenden Vermittlungsprozessen wiederfinden. Zudem unterstreicht es die Notwendigkeit, die Vielfalt und HeterogenitĂ€t solcher RĂ€ume anzuerkennen. Mit ihrer Nicht-ZentralitĂ€t enthĂ€lt die „Mitte“ das Potenzial fĂŒr die Initiierung transversaler Praktiken in Wissenschaft, Politik und Ästhetik.

Die Redner_innen der diesjĂ€hrigen Konferenz sind diesem Ansatz folgend dazu eingeladen, die sich verĂ€ndernde Rolle menschlicher und nichtmenschlicher Wirkmacht sowie diese kontinuierliche Mitte, dieses Mitteln und Dazwischen-Sein zu diskutieren. Drei StrĂ€nge – drei verschiedene „Mitten“ als thematische Rahmen der Konferenz – strukturieren die theoretischen Kontextualisierungen, Methodologien, Praktiken und Ethiken: Die Elemental Middle erkundet die Infrastrukturen und Umgebungen heutiger Medientechnologien und kehrt hierbei zur grundlegenden Beziehung zwischen Kultur und Natur zurĂŒck; die Alien Middle nimmt den merkwĂŒrdigen und obskuren Charakter der vermittelten Umgebungen in den Blick und ĂŒberprĂŒft die Verbindung des Menschen zum Maschinellen; und die Middle to Come betont den subtilen und souverĂ€nen Charakter heutiger Vermittlung und fokussiert dabei auf die Entstehung von digitalem Kolonialismus und digitalem Populismus – sie unterstreicht aber auch die Möglichkeiten anderer Zeitlichkeiten und RĂ€umlichkeiten in der Gestaltung dessen, was erst noch kommen wird.