Akademie der Künste
22 – 24 February 1991
Video und Kurzfilm sollen mehr Beachtung im Fernsehenfinden – wie es in anderen Ländern (zum Teil schon lange) üblich ist. Wir haben Vertreter von sechs ausländischen TV-Sendern eingeladen; auf einem Symposion werden sie ihre Arbeit mit Video vorstellen, moderiert von Siegfried Zielinski, Autor von Audiovisionen – Kino und Fernsehen als Zwischenspiele in der Geschichte. Geladen sind ferner Redakteure aller deutschen Fernsehsender – sie können sehen, wie kreativ andernorts mit Video und Kurzfilm im Fernsehen umgegangen wird. Unser Ziel: Deutsche Sender zu interessieren, in einem Modellversuch regelmäßig Videos und Kurzfilme anzukaufen, zu produzieren und auszustrahlen. Auf den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen (21. – 30. April, 1991) wird das Symposion fortgesetzt.
RTBF, Belgien
Der französisch-sprachige Sender Belgiens, RTBF, strahlt alle 14 Tage freitags und sonntags Carré Noir aus. Die Produzenten der Sendung, Jean-Paul Trefois und Christiane Philippe, präsentieren dort regelmäßig hauptsächlich Arbeiten der (Video)künstler der französischen Gemeinschaft Belgiens. Zwei Genres werden bevorzugt: die fiktive Dokumentation und die Dokumentation im strengen Sinn. Dabei liegt das Augenmerk vor allem auf Programmen, die thematisch besonders beeindrucken oder im experimentellen Bereich durch den bildlichen und sprachlichen Ausdruck wegweisend sind. Gemäß der Logik von RTBF und dem öffentlichen Auftrag, Kreativität als Zukunftsträger aktiv zu unterstützen, fungiert Carré Noir als Produzent und Koproduzent und berücksichtigt beim Einkauffertiger Programme alle europäischen Produktionen. Das Ziel ist es, sich als wichtiger Partner internationaler Koproduktionen mit Fernsehanstalten wie LA SEPT, ZDF oder Channel 4 zu etablieren. Carré Noir wird in Berlin von Jean-Paul Trefois vorgestell.
Canal+, Frankreich
Die Kurzprogramme von Canal+ sind der création verpflichtet und zu einer der Domänen des französischen Pay-TV-Senders geworden: Kurzserien (shorts), neue Technologien, Spezialsendungen zu Video und dem elektronischen Bild, und natürlich auch Kurzfilme aller Genres
(Dokumentation, Animation, Experiment, Spielfilm). Canal+ erwartet, Ende der 90er Jahre eine Gesamtzahl von 2000 Kurzfilmen aus aller Weltgesendet zu haben. Dazu zählen auch einige hundert
Kurzspielfilme, die eingekauft oder koproduziert wurden.
So ist Canal+ Koproduziert der Serie Avance sur Image. Die im TVideo-Rahmenprogramm präsentierte Folge 23 beinhaltet ausschließlich französische Videoarbeiten, die zu den Höhepunkten der jüngeren video création gehören. Imagina 91 -Theiere's After von Jerome Lefdup ist eine Canal+ Produktion, die im Februar erstmals ausgestrahlt wird und ebenfalls im TVideo-Rahmenprogramm zu sehen ist. Die Sendung,
benannt nach dem gleichnamigen Festival in Monte Carlo, ist den Pionieren der 3D-Animation – John Lasseter und Yochiro Kawaguchi – gewidmet. Außerdem werden neuere französische Animationen und eine Reportage über das Festival Imagina präsentiert. Canal+ wird in Berlin durch Marie Pascale Lescot vom "Département Internationale vorgestellt.
LA SEPT, Frankreich
Der französische Kulturkanal LA SEPT, 1986 gegründet, sendet seit mehr als einem Jahr über den TDFI-Satellit ein Programm von wöchentlich 21 Stunden, das zusätzlich an jedem Samstag fünf Stunden terrestrische Sendezeit auf FR 3 besetzt. Die große Resonanz auf die nicht kommerziellen Programme gründet zu einem großen Teil auf ungewöhnlichen Projekten der Unité Documentaire: Contacts, eine Miniserie in 13 Folgen zu je 15 Minuten, stellt bekannte Fotografen anhand eines Kontaktbogens ihrer Arbeit vor. La Collection bietet 60 zweiminütige Impressionen zu einem Kunstwerk der Moderne. Diese Beispiele stehen für das Konzept des Senders als Versuchslabor für die Entwicklung eigener fernseh-spezifischer Kulturformen, wobei Video dem Film gegenüber völlig gleichgestellt wird-eine spezifische Videoförderung gibt es nicht. Doch wichtige Arbeiten im Bereich der Videokunst von Autoren wie Robert Cahen oder Pierre Trividic konnten mit Unterstützung des Senders realisiert werden.
LA SEPT vergibt einzig als Co-Produzent Aufträge in einem Volumen von jährlich 150 Stunden. Weitere 150 Stunden werden durch Ankäufe programmiert. Der Sender, Partner des ZDF für das Projekt eines deutsch/französischen Kulturkanals, wird in Berlin durch Claire Doutriaux vorgestellt.
Channel 4, UK
Gemeinsam mit dem Arts Council und dem British Film Institute präsentierte Channel 4 eine Serie unterschiedlichster Film- und Videoauftragsproduktionen, deren gemeinsamer Nenner in ihrer Unkonventionalität und dem hohen technischen Standard lag: Arbeiten mit visuellen und strukturellen Mitteln sowie mit erzählerischem oder dokumentarischem Ansatz. In beiden Fällen wurden Regisseure an "industriellere" Arbeitsweisen herangeführt. Die Sendung wird von der verantwortlichen Redakteurin Jane Thorburn präsentiert.
BB2, UK
White Noise präsentiert eine Serie von wegweisenden Videos, Filmen und Animationen von Künstlern aus Europa und Nord-Amerika. Die 5 jeweils 40-minütigen Programme, produziert von der unabhängigen Firma Illuminations fur BBC Television, stellen einige beeindruckende, herausfordernde und manchmal auch merkwürdige Arbeiten vor die das heutige Potential des bewegten Bildesausloten. Viele der ausgewahlten Bänder wurden mit neuester Technologie wie HDTV oder digitaler Animation produziert. Andere verdeutlichen die Möglichkeiten des billigen Videos und des Super 8-Films.
Alle Bänder werden in voller Länge gezeigt und durch eine minimale grafische Überleitung verbunden. Zu einigen gibt es auch eine kurze kommentierende Einleitung der Künstler Jede Sendung widmet sich einem nicht explizit genanntem Thema. Die Serie knüpft damit an frühere Sendungen von Channel 4 an, wie das Videokunstprogramm Ghosts in the Machine, ebenfalls von John Wyver und Illuminations produziert. White Noise wurde im Sommer 1990 Samstag abends um 20.30 Uhr auf BBC 2 ausgestrahlt und von ca. 400 000
Zuschauern gesehen. In Berlin wird es von John Wyver präsentiert.
Deep Dish TV, New York, USA
DEEP DISH ist der erste nationale offene Satellitenkanal mit mehr als 300 angeschlossenen Kabelstationen landesweit. Seit 1986 widmet es sich dem Ziel der Demokratisierung des Fernsehens, indem es ein nationales Forum zur Selbstdarstellung und zum Vertrieb von Programmen lokaler Gruppen und unabhängiger Produzenten bietet. Das Programm steht nicht-kommerziellen Benutzern öffentlicher Kabelsender und Satellitenempfängern kostenlos zur Verfügung. DEEP DISH ist eine gemeinnützige Organisation, die durch Stiftungen und Spenden unterstützt und von Media Network gesponsort wird. Die Offenen Kabelkanäle stellen Produktionsmittel zur Verfügung und bieten Ausbildungsangebote für lokale Nutzer an. Sie erfüllen damit den Geist der Verfassung, da sie einem großen Publikum den Zugang zu Ansichten und Informationen von unabhängigen Produzenten garantiert. DasTeam von DEEP DISH arbeitet als Kollektiv und war in den letzten Wochen vollauf mit dem Gulf CrisisTV Project beschäftigt. Auf dem VideoFest wird DEEP DISH vorgestellt von Dee Dee Halleck, Marty Lucas and Simone Farkondeh.
The 90's, New York, USA
Eine einstündige Serie im Netzder öffentlichen Kabelsender. Es gibt keinen Moderator, einzelne Beiträge werden regelmäßig von den Video-Korrespondenten beigesteuert: The American Way, 90's People, The Surf Report, Your Tape Here (home video), The Washington Outsider und andere Rubriken. Die Thematik der Sendungen reicht von Ökologie, Drogen, Obdachlosen bis zu globaler Politik und den Medien. Wichtige Bestandteile sind Musik, Humor und Ironie. In Berlin wird eine der neuesten Sendungen Video Revolution zu sehen sein.
Denmark Radio 2
Da bei Redaktionsschluß kein Text zu Danmarks Radio 2 vorlag, weisen w ir hier auf das Projekt VIDEOEXPRESS des DANISH FILM INSTITUTE WORKSHOP hin. Der Videoexpress ist ein Programm für experimentellen Film und Video. Es soll Kulturen zusammen bringen und die Kommunikation unter Künstlern in Europa verbessern. Das Publikum ist die Generation, die mit Fernsehen im Überfluß aufwuchs. Die Ziele sind Ankauf von zeitgenössischer Produktionen außerhalb des Film und Video-Establishments und die Verstärkung der Kenntnisse der Eigenheiten des Mediums durch Produktion und Ko-Produktion im nicht-journalistischen TV-Bereich.
eine Initiative des VideoFests, der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und des Filminstituts der Hochschule der Künste Berlin, unterstützt von der Zeitschrift Video.
