transmediale.09
DEEP NORTH
Tagline: Festival für Kunst und digitale Kultur
Venues: Haus der Kulturen der Welt (HKW)
Date: 28.01 – 01.02.2009
Organisation: Kulturprojekte Berlin GmbH

Blickt man über die Szenarien der Erderwärmung, steigender Meeresspiegel und Verwüstung hinaus, dann lautet die entscheidende Frage nicht in erster Linie, wie dies zu verhindern sei. Vielmehr ist es notwendig, die strukturelle Veränderung im Verhältnis von Natur, Kultur und Technologie zu betrachten. Mit dem Festivalthema DEEP NORTH schaute die transmediale.09 im Jahr 20 nach der Wende auf den notwendigen globalen Kulturwandel, der aus dem Schmelzen der Polkappen erwachsen wird.

Sind wir angesichts des Klimawandels bereit für ein kulturelles Umdenken?

Festivalthema

Die transmediale.09 blickt über die schrillen klimakatastrophischen Szenarien hinaus, die in den Debatten um die globale Erwärmung mitschwingen und verschiebt den Fokus auf die weiter gefassten kulturellen, gesellschaftlichen und philosophischen Konsequenzen, die aus einem Zusammenbruch der nördlichen Eisbarrieren erwachsen können. Sind wir im Begriff, einen historisch prägnanten Moment zu passieren, einem unvermeidlichen und revolutionären Wandel entgegen?

DEEP NORTH benennt keinen fixen, klar definierten Ort, vielmehr skizziert der Begriff ein Modell der Transformation von einem Moment der Unschärfe hin zu einen komplexen Gefüge kultureller Entwicklungen – ein Gradmesser, der gegenwärtige Erzeugungen zur Analyse globaler Entwicklungen nutzt. In der realen wie metaphorischen Überwindung der nördlichen und südlichen Polarzone - und der darin eingeschlossenen Geheimnisse - entdecken wir beides, neue Gefahren und neue Möglichkeiten.

Indem DEEP NORTH das Bewusstsein für die Welt als globales System stärkt, in dem alle Ereignisse und Prozesse miteinander gekoppelt sind und jede Veränderung in der Auffassung und Haltung gegenüber diesen kulturellen Wechselbeziehungen weitreichende Folgen nach sich zieht, versteht sich DEEP NORTH als ein Aufruf an Künstler, Medienaktivisten und Kulturschaffende, die Funktion zu überdenken, welche Kunst und digitale Kultur bei der Neudefinition von Medienstrategien zukommt und die jenseits der gängigen Rhetorik des Klimawandels liegt.

DEEP NORTH konzentriert sich auf die dahinterliegende, lautlose - im wörtlichen Sinn tiefe Schicht künstlerischer und kultureller Sensibilität und auf die Prozesse der Transformation und Entwicklung von der Arktis im Norden bis zu den Wüsten im Osten, von den Tiefen der Netzwerkpraxis zu den versteckten Konstruktionen wissenschaftlicher und technologischer (Denk-) Systeme. Im selben Maß wie unser Sinn für eine natürliche, gegebene Umwelt schwindet, ersetzen wir sie durch Modelle, Projektionen und technologische Mimikry. Daraus erwächst die Notwendigkeit, unsere kulturelle Sichtweise radikal zu überdenken, indem wir das kreative Potential von Technologien neu entdecken, überdenken und anwenden, um damit die Möglichkeiten der Kommunikation, des Handelns und der Erkenntnis zu erweitern ... im DEEP NORTH unseres globalen, kulturellen Bewusstseins.

Vorwort zum Festivalkatalog

Mit DEEP NORTH verfolgt die transmediale 2009 die kulturellen Konsequenzen eines Themas, das inzwischen nahezu alle Aspekte des Lebens beherrscht. Dennoch, und vielleicht sogar mit einer gewissen Ironie, wurden die düsteren Vorhersagen eines bevorstehenden, umwälzenden ökologischen Wendepunktes durch die aktuellen Erschütterungen der Weltwirtschaft zeitweise überlagert. Ob ökologisch, sozial oder ökonomisch, DEEP NORTH weist auf die enorme Zerbrechlichkeit und Inhärente Instabilität im menschlichen Umgang mit globalen Systemen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels reflektiert die transmediale.09 dabei die Notwendigkeit, globale Ereignisse in diesem Kontext neu zu lesen und durch Entwicklung eines neuen kulturellen Vokabulars die autonome und kritische Herangehensweise der Kunst in diese komplexen Verhältnisse mit einzubeziehen. Mit der Umgestaltung des Hauses der Kulturen der Welt durch die Informelle Ausstellungsarchitektur der Berliner Designer- und Architektengruppe raumtaktik, beginnt die transmediale.09 ihre Reise in die tiefen Sphären dieser Fragilität und Temporalität.

Die Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes ermöglicht es der transmediale, ihr Ziel der Verbindung von Kunst und digitaler Kultur mit aktuellen Themen einer Gesellschaft im Wandel zu realisieren. Die Verlängerung der Förderung bis 2012 garantiert dabei die kontinuierliche Entwicklung des Festivals als eine der zentralen internationalen Veranstaltungen der Kulturprojekte Berlin GmbH. Durch die Zusammenarbeit mit Organisationen wie der Bundeszentrale für politische Bildung, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, der Heinrich Böll Stiftung und dem Auswärtigen Amt, konnten Partner gewonnen werden, die das Programm der transmediale maßgeblich unterstützt haben. Der Rahmen, in dem das Festival zur Entwicklung von Kultur, Wirtschaft und Bildung Im regionalen Kontext seinen Beitrag leisten kann, findet Ausdruck In seiner Zusammenarbeit mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Offenen Kanal Berlin und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Erweiterte Kooperationen mit dem Marshall McLuhan Salon der kanadischen Botschaft, dem Vilem Flusser Archiv der Universität der Künste und mit dem vor kurzem eröffneten Collegium Hungaricum Berlin betonen die diesjährigen Partnerschaftenmit für die Berliner Medienkultur besonderen Einrichtungen. Die transmediale möchte sich ebenfalls bei Ihren langjährigen Partnern Serve-U und Echoo für Ihren Einsatz bedanken, ebenso bei einskommanull, die sich der Herausforderung einer neuen Online-Plattform für das Festival angenommen haben.

Gemeinsam mit den Teams, der Jury und dem Beirat der transmediale, wünsche ich all unseren Gästen, Teilnehmern und Partnern ein spannendes und begeisterndes Festival.

Stephen Kovats

Festivalimpressionen
  1. Foyer of Haus der Kulturen der Welt during transmediale.09 DEEP NORTH

  2. Foyer of Haus der Kulturen der Welt during transmediale.09 DEEP NORTH

  3. Impression of transmediale.09 DEEP NORTH

  4. Foyer of Haus der Kulturen der Welt during transmediale.09 DEEP NORTH

  5. Extertior view of Haus der Kulturen der Welt during transmediale.09 DEEP NORTH

  6. Impression of the exhibition "Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation"

  7. Impression of the exhibition "Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation"

  8. Impression of the exhibition "Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation"

  9. "Beyond the End - The Polar Project", artwork by Charly Nijensohn

  10. "Parallel Head", performance by and with Ryoichi Kurokawa

  11. "Burning the Sound", performance by and with Rufolfe Quintas

  12. "Untitled Sound Objects", performance by Pe Lang + Zimoun

  13. "Overbug", performance by and with Hiroshi Matoba

Programmübersicht

Das Programm der transmediale.09, das das HKW übernimmt, gliedert sich in miteinander verbundene Teile: Die Konferenz Making/Thinking bietet ein offenes Forum für Debatten, während Digital Greenhouse der Salon dieser Ausgabe für strategische künstlerische, performative und netzbasierte Diskurse ist. Unter dem Leitmotiv Screening Territories beschäftigt sich der Film- und Videobereich ebenso wie das Performance-Programm mit dem Thema des diesjährigen Festivals. Die Ausstellung Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation untersucht diese Vorstellungen mit einer Reihe interdisziplinärer Kunstwerke, die unsere digitale Kultur und technologische Situation reflektieren. Zusammen mit Satellitenstandorten präsentiert DEEP NORTH diese Fragen und offenbart die komplexe Dynamik des planetarischen Transformationsprozesses unter Berücksichtigung seiner Auswirkungen auf soziale, kulturelle und politische Systeme.

Preise

transmediale Award
Der transmediale Award widmet sich aktuellen Positionen in der digitalen Kunst und den digitalen Medien. Es handelt sich um einen offenen Wettbewerb, zu dem Künstler*innen eingeladen sind, ihre aktuellen Arbeiten einzureichen. Die Jury des diesjährigen Wettbewerbs bestand aus Annick Bureau, Bronac Ferran, Juha Huuskonen, Pooja Sood und Christoph Tannert. Graham Harwood, Richard Wright und Matsuko Yokokoji erhielten den ersten Preis für ihre Installation Tantalum Memorial. Die zweiten Preise gingen an Reynold Reynolds für seine Videoinstallation Six Apartments und an Rudolfo Quintas für seine interaktive Klangperformance Burning The Sound.

Vilém-Flusser-Theoriepreis
Um der zunehmenden Bedeutung theoretischer und kritischer Praxisarbeiten, die für den transmediale-Wettbewerb eingereicht werden, Rechnung zu tragen, hat das Festival den Vilém-Flusser-Theoriepreis ins Leben gerufen. Der Publizist und Netzwerker Brian Holmes und der Aktivist und Autor freier Software Denis Rojo (alias Jaromil) waren die diesjährigen Nominierten.

Festivalpublikationen

Das Festivalheft enthält das Programm, Kunstwerke und Texte dieser Festivalausgabe.

Die zweite Ausgabe von transmediale parcours beabsichtigt, einen konzeptuell abschweifenden Pfad durch und entlang der Themen der transmediale zu skizzieren.Es greift Punkte, Manifesto und Bilder auf, welche den konzeptuellen Hintegrund des Festivals unterstützen. Als alleinstehende Publikation neben dem Festival, welches über einen eigenen Charakter, Inhalt und Stil verfügt, blickt DEEP NORTH über die Temporalität des Festivals hinaus und reflektiert über die künstlerische und kritische Forschung und Praxis des Festivals.

Team

Stephen Kovats Artistic Director, Thomas Munz Curator, Magdalena Rothweiler Festival Manager, Tina Ebner Festival Management Assistant, Markus Huber Assistant to Artistic Director, Benjamin Nourney Marketing, Sibylle Kerlisch Production, Laleh Torabi Design, Annette Schäfer Press and Public Relations, Stefan Riekeles Performance Curator, Rob van Kranenburg Co-Chair Conference, Miriam Bax Press Assistant, Ute Bongartz Associate Editor, Adam Thomas Online Co-Ordinator, Filippo Gianetta, Imke Grimm, Stella-Sophie Seroglou Program Assistants, Rico Greb Assistant Design, serve-u, Phillip Sünderhauf, Andreas Buchholz Technical Directors, Ludmila Demke, Marc Klische Assistants to the Technical Directors, **tagr.tv ** Video Documentation, Jonathan Gröger Photo Documentation, telcosystems Video Trailer, Adam Hyde, Alejandro Duque, John Hopkins Streaming/Online

Festival Architecture raumtaktik, Friedrich von Borries, Matthias Böttger, Christian Hiller, Wiesje Bijl

Web Programming einskommanull, Micz Flor, Laura Oldenbourg, Sebastian Göbel

Advisory Board Alex Adriaansens, Marie Cathleen Haff, Saskia Sassen, Yukiko Shikata, Siegfried Zielinski

Support

gefördert durch Kulturstiftung des Bundes, Kultur Projekte Berlin, HKW

Partnern Medienboard Berlin Brandenburg, Bundeszentrale für politische Bildung, gtz, Auswärtiges Amt, .CHB Collegium Hungaricum Berlin, Embassy of Canada, Heinrich Böll Stiftung, Koninkrijk der Nederlanden

Sponsoren serve-u technical support, Avid, Oktoerdruck, Geier-tronic

Medienpartnern arte tv, brand eins, radioeins, die tageszeitung, Zitty Berlin

Support Australische Botschaft, Berliner Pilsner, Bionade, Bocca di Bacco, Botschaft von Finnland, [DAM] Berlin, Echoo Konferenz Dolmetschen, GOTO10, ICI Berlin, IN-Berlin, Kitchen Budapest, Offener Kanal Berlin, Pixelache Helsinki 09, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Recycling Börse, Vertretung der Regierung von Québec in Berlin, Werkleitz - Zentrum für Medienkunst