Amanda E. Metzger ist die Artist-in-Residence der Digital Arts Residency 2026 in Kooperation mit Pro Helvetia. WĂ€hrend der Residency erkundet Amanda das imaginative Potenzial von InformationslĂŒcken und verbindet dabei Informatik, Quanten- und Biocomputing mit GedĂ€chtnisforschung. Mit dem Fokus auf Kompressionstechnologien als kreative und relationale Werkzeuge begreift sie Kompression nicht als Reduktion, sondern als generativen Akt.
Die Digital Arts Residency dieses Jahres umfasst eine hybride Residency mit einem Monat vor Ort in Berlin sowie eine Produktionsförderung zur Realisierung einer neuen Arbeit. Amanda E. Metzger wird Information Compression to Move Beyond Synchronomnia entwickeln*,* ein Projekt, das Kompressionstechnologien als generative Werkzeuge untersucht.
Die Notwendigkeit, Informationen zu komprimieren, scheint verloren gegangen zu sein; SpeicherkapazitĂ€ten und Ăbertragungsraten nehmen tĂ€glich zu. Es gibt keinen Grund mehr, sich an tatsĂ€chliche Informationen zu erinnern â nur noch an den Hinweis, der auf sie verweist. Welche Auswirkungen hat das Nicht-Erinnern, das bloĂe Aufzeichnen? Und wie verlassen wir die Gegenwart-Vergangenheit, um dem Informationsstrudel zu entkommen, in dem wir uns gefangen sehen?
In den letzten drei Jahrzehnten sind Informationen durch technologische Entwicklungen unmittelbar und in enormem Umfang verfĂŒgbar geworden. Den gegenwĂ€rtigen Moment könnten wir daher als Synchronomnia bezeichnen â als ein Alles-zur-gleichen-Zeit, statt eines âPost'-irgendetwas. Diese Synchronomnia, in der die Vergangenheit in den meisten ihrer Details gegenwĂ€rtig bleibt, versetzt uns in einen Zustand permanenter Ăberlastung. Ihre Auswirkungen wurden von Mark Fisher beschrieben, der argumentierte, dass sich Musik seit Mitte der 2000er Jahre nicht mehr weiterentwickelt und seitdem nur noch ein Remix des Vorangegangenen ist; ebenso wie von Paul Virilio, der beobachtete, dass mit der Beschleunigung des Zugangs zu Informationen der Abstand zu ihnen zusammenbricht. Doch oft ist es gerade dieser Abstand, der Raum fĂŒr Ăberraschung und KreativitĂ€t schafft.
Metzger schlĂ€gt Kompression als kreatives Werkzeug vor: Um etwas Neues zu schaffen, mĂŒssen wir tatsĂ€chlich vergessen. Komprimierte Informationen erfordern Vorstellungskraft, um das Verlorene zu ergĂ€nzen. Indem Informationen weniger unmittelbar verfĂŒgbar gemacht werden, öffnen sich RĂ€ume fĂŒr die Zukunft anstatt stĂ€ndig auf die Vergangenheit zu verweisen. Kompressionsalgorithmen sind ein zentrales Forschungsgebiet innerhalb der Informatik, getrieben von dem Ziel, Kompression so verlustfrei wie möglich zu gestalten. Die neueste Form davon sind Machine-Learning-Modelle, bei denen mehrdimensionale Informationen auf niederdimensionale RĂ€ume abgebildet und mit bemerkenswerter PrĂ€zision wieder abgerufen werden. Metzgers Interesse gilt der verlustbehafteten Kompression und ihrer Funktionsweise in verschiedenen Feldern. Unter RĂŒckgriff auf die Neurowissenschaften und den Prozess des Erinnerns bewegt sich das Projekt ĂŒber unterschiedliche Felder hinweg â von der klassischen Informatik bis hin zu entstehenden Bereichen wie Quanten- und Biocomputing.
Das Ziel ist nicht, Informationen im Prozess zu zersetzen, sondern Kompressionsmodi zu finden, die genug bewahren, um alles Notwendige in sich zu tragen â und dabei genug weglassen, dass die imaginative QualitĂ€t von InformationslĂŒcken aufgerufen werden muss.
Jury
Marlene Wenger, Leitung Programm HEK Basel; Jennifer Merlyn Scherler, Resident 2023; und Anna-Lena Panter fĂŒr transmediale
Credits
Digital Art Residency in Kooperation mit Pro Helvetia



