Exhibition
Smile Machines
Humor – Kunst – Technologie
03.02 bis 02.03.2006
Akademie der KĂŒnste

Die Ausstellung Smile Machines prÀsentierte Arbeiten, die das VerhÀltnis von Kunst, Humor und Technologie reflektieren und durch Spott und Kritik die Macht der Medien entlarven.

Die Ausstellung zeigt aktuelle SMILE MACHINES ebenso wie historische Werke: Roboter, die versuchen, mit den Zuschauern zu kommunizeren, aber an den Verspechungen einer idealisierten, funktionellen Technologie scheitern; Installationen und Performances, die den routinierten ablauf des kulturellen und politischen Alltags stören und so an der OberflĂ€che unserer massenmedialien Gesellschaft kratzen. Die Ausstellung lĂ€sst den Besucher in ein Labyrinth aus Simulation, Wiederholung, AbsurditĂ€t und zuweilen schmerzlicher Ironie einlauchen. Sie hinterfragt fest gefĂŒgte Vorstellungen und weckt die Sehnsucht nach dem Unmöglichen.

SMILE MACHINES sind listige Mechanismen, die uns alles, was uns natĂŒrlich und unvermeidlich scheint, als fremd und ĂŒberraschend vorfĂŒhren: von den Automatismen gesellschaftlicher Spielregeln und unserer von Verfolgungswahn getriebenen Überwachungskultur, bis hin zur vermeintlich fortshrittlichen informationsgesellschaft auf ihrem Weg in eine Welt des totalen Entertainment. SMILE MACHINES zelebrieren die Macht eines humors, der alle Regeln sprengt.

transmediale.07 exhibition smile machines

„Die kĂŒnstlerischen AnsĂ€tze in der Ausstellung Smile Machines zeigen auf je eigene Weise die WidersprĂŒche einer weitgehend durch Technologien geprĂ€gten Gesellschaft. Humorsetzt eine Energie frei, die die Intelligenz der Dinge und das Begehren stimuliert, ohne das keine VerĂ€nderung denkbar ist. Ironie, Persiflage und den Scherz zu verteidigen, bedeutet immer auch ein StĂŒck Freiheit zu verteidigen."
Anne-Marie Duguet, Kuratorin "Smile Machines"

Christian Möller, Cheese, 2003

Cheese

Sechs Schauspielerinnen wurden beauftragt, vor der Kamera so lange wie möglich ein LĂ€cheln aufzusetzen. Jedes LĂ€cheln wurde von einem Emotionserkennungs- System beobachtet, und wann immer der Gradmesser einen Abfall an Heiterkeit feststellte, wurde ein Alarm ausgelöst, der die Versuchsperson zu mehr Ernsthaftigkeit gegenĂŒber der Aufgabe aufrief. Das reale emotionale Unbehagen der Akteurinnen bricht nur wĂ€hrend der Pausen durch, die notwendig sind, um die angestrengten GesichtszĂŒge zu entspannen. Mit dem Nachspielen will Möller auf die zwanghafte Heiterkeit der Entertainment-Industrie verweisen, die nach wie vor von Frauen wesentlich beharrlicher als von MĂ€nnern das Auftreten als gut gelaunte Moderatorin oder Nachrichtensprecherin erwartet. Durch die bewusst kontextfreie Nachahmung dieser omniprĂ€senten medialen ReprĂ€sentationen in der Blue Box macht Möller umso deutlicher sichtbar, wie unmenschlich die professionelle keep smiling AttitĂŒde eigentlich ist. Die Arbeit basiertauf den Forschungen zur Emotionserkennung der Machine Perception Laboratories der University of California in San Diego.

CÚst Bien la Société, Valérie Pavia, 1999

CÚst Bien la Société

ValĂ©rie Pavia tritt mit wasserstoffblonder PerĂŒcke und nackten Schultern vor die Kamera und beschreibt mit lakonischem Tonfall wahllos Lebenserfahrungen. In dem Monolog geht es um Ibis Hotels, Spinoza, bĂ€rtige MĂ€nner, die Schweiz, BHV KaufhĂ€user usw. Beim scheinbar spontanen Dahinreden stellt sie Regeln auf Beobachtungen zu AlltĂ€glichem, NebensĂ€chlichem, Absurdem: MĂ€nner mit BĂ€rten riechen nach Erdnuss, TV-VerkĂ€ufer sind zwischen 12 und 2 Uhr schwer anzutreffen und mehrals drei Übernachtungen in einem Ibis Hotel machen aggressiv. Der absurde Text bewegt sich irgendwo zwischen RealitĂ€t, Fiktion und Autobiographie und schafft so etwas Unwirkliches, Übertriebenes, eine Art Cegenwelt. Zu dem Eindruck eines ĂŒberzogenen SelbstportrĂ€ts trĂ€gt auch Pavias neo-expressiver bis poppiger Umgang mit Bild- und Audiomaterial bei. Überbelichtete Aufnahmen und eine knallige Farbwahl der Bildrahmen unterstĂŒtzen ihre ironische Strategie der Subversion durch Überaffirmation umso mehr. Zwischen ihren teils intimen ErzĂ€hlungen und ihrergespielt naiven Haltungsowie der Koketterie mit typischen Attributen von Weiblichkeit, wie etwa roten Schuhen mit AbsĂ€tzen, entsteht eine feine Ironie.

Slogans, Antonio Muntadas, 1987

Slogans

The installation Slogans is an ironic play by Muntadas on the manipulation of daily life by the media, pointing to the empty promises of the glittering world of advertising. Visitors enter a darkened room, in which there are nine monitors set up, their images endlessly repeating themselves on the mirrored walls. Underscored by an insinuating Easy Listening soundtrack, the monitors show in alternation slogans such as Talk is cheap or Pleasure by design. Taken altogether, these are isolated fragments from commercial advertising, colourful digitalised fragments, the display of which dissolves in the subsequent zoom into an abstract image. The production is a play on the subtle advertising strategies to be met with in public spaces, and in view of the aesthetic similarity of its mode of representation it adds up to a critical statement - though an ambivalent relation between seduction and distanced observation is still deliberately maintained. What Muntadas has undertaken is a visual deconstruction of the advertising slogan, the informative content of which is unmasked as meaningless. It is an invitation to read between the lines, and so question the seductive mechanics of advertising.

Kunstwerken

Maja Bajevic (BA/FR), Back in Black, 2003
Maurice Benayoun (FR), Emotion Vending Machine, 2006
Tamy Ben-Tor (IL/US), Hitler-The Horror and the Horrah, 2003
Dara Birnbaum (US), Technology/Transformation: Wonder Woman, 1978-1979
Ximena Cuevas (MX), Antes de la Television (Before Television), 1983-1999
Paul Demarinis (US), Grind Snaxe Blind Apes, 1997
Robert Filliou (FR), And so on, end so soon, done 3 times, 1977
Robert Filliou (FR), This flag is meant to straddle national order lines, 1974
Jean-Pierre Gauthier (CA), Remue-Ménage, 2000-2006
Stéphanie Gilot (CA), Video Game - World 2, 2004-2006
Jodi (NL), Untitled, 2005
Kim Beom (KR), Untitled (News), 2002
Les Levine (US), I am an artist, 1975
George Maciunas (LT/US), Flux-Smile Machine, 1971
Annette Messager (FR), Ma collection de Proverbes, 1974
Agnes Meyer-Bran Dis (DE), SGM-EISBERG-SONDE / SGM-ICEBERG-PROBE, 2005
Eva Meyer-Keller (DE), Death is Certain, 2004
Christian Möller (DE/US), Cheese, 2003
Antoni Muntadas (ES), Slogans, 1987
Nam June Paik (KR/US), Der Denker - TV RODIN, 1978
Valérie Pavia (FR), C'est bien la Société, 1999
Simon Penny (AU/US), Petit Mal, 1989-2005
Jim Pomeroy (US), Apollo Jest U.A., 1979
Michael Snow (CA), That/Cela/Dat, 2001
The Yes Men (US), Dow Does The Right Thing, 2002-2005
Übermorgen (AU/CH), Bureaucrazy, 2005
William Wegman (US), Selected works, 1970-1978
Norman White (CA), The Helpless Robot, 1987-1996

Ausstellungspublikation

Alle Informationen zu den KĂŒnstlern und Kunstwerken der Ausstellung finden Sie im Ausstellungskatalog.