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Revisiting the Innovative reSource Project
From 2011 to 2014, Tatiana Bazzichelli and a team of others designed a sprawling event program called “reSource transmedial culture Berlin,” which picked up on transmediale-related projects and flung them far further. As Bazzichelli writes in this careful excavation and examination of the project (originally published in the across & beyond book in 2016) the whole thing was an experiment in the way institutions and cultural networks can interact, expand, and support each other in ongoing programming beyond singular events like festivals. Because Bazzichelli was also a curator at transmediale for the same years, she writes from a “situated perspective” while offering a unique “meta-reflection” on the exciting interchanges that took place.

Dieser Essay reflektiert die praktischen Erfahrungen des Kuratierens und Netzwerkens jenseits des Digitalen im Rahmen der mit der transmediale verbundenen Reihe reSource transmedial culture Berlin, deren Projekte und AktivitĂ€ten das Festivalprogramm in den Jahren 2011 bis 2014 ganzjĂ€hrig erweiterten. Die Entwicklung eines ganzjĂ€hrigen Programms basierte auf der Idee, ein Labor des gemeinsamen Wissens innerhalb der transmediale zu etablieren und ein Projekt fĂŒr lokale und translokale dezentrale Netzwerke zu schaffen, die in Berlin und anderswo aktiv sind. Angesichts der VerĂ€nderungen, die das digitale Paradigma ins Alltagsleben eingefĂŒhrt hat, kam eine postdigitale Perspektive zum Einsatz, die eine Analyse der breiteren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und kĂŒnstlerischen Landschaften ermöglichte. Ziel war die Einbindung all jener, die nicht nur direkt mit Netzwerktechnologien zu tun hatten, sondern die sich auch kritisch fĂŒr gemeinsame und dezentrale Strategien der Teilhabe und Zusammenarbeit engagierten – im Kontext von Kunst, Hacking, Aktivismus und unabhĂ€ngiger Kulturproduktion sowie in feministischen, queeren und Porno-Communitys.

Da ich von 2011 bis 2014 zudem als Programmkuratorin zum transmediale-Team gehörte, umfasst meine Analyse sowohl eine darin situierte Perspektive als auch eine Metareflexion zum Aufbau einer Gemeinschaft im Kontext der Programmentwicklung eines Festivals. Da ich mich zur Beschreibung eines vernetzten kuratorischen Wegs innerhalb des Untersuchungsgegenstands verorten muss, bezeichne ich meinen praxisbasierten Ansatz als „Ethnographie der Vernetzung“ – eine Methode, die ich bereits in Arbeiten ĂŒber italienische und internationale Hacking-Communitys und aktivistische Gruppen seit den spĂ€ten 1990er Jahren erproben konnte.⁠1 . Durch diese Methode, in der die theoretische Vorstellung eng mit dem eigenen Erfahren des Forschungsthemas verknĂŒpft ist, bringe ich mich direkt in die Entwicklung der Analyse und ihrer konkreten Herausforderungen ein. Angesichts der Tatsache, dass ich persönlich als Programmplanerin im transmediale-Team sowie als Netzwerkerin im reSource-Projekt situiert war, soll meine Perspektive hier nun also nicht bloß im Sinne traditioneller Kuration Theorie vermitteln.

Launch der reSource for transmedial culture

Dieser Textbeitrag ist ein erster Versuch der Evaluation und Reflexion ĂŒber die Idee, in ein Kunstfestival mit einer rund dreißigjĂ€hrigen Geschichte ein wandelbares Element einzufĂŒhren. Die Entwicklung des Vernetzungsprogramms hatte offensichtliche Konsequenzen fĂŒr die Struktur des Festivalteams, fĂŒr die Programmplanung sowie fĂŒr die Wahrnehmung der FestivalaktivitĂ€ten im lokalen und translokalen Kontext Berlins. Diese Analyse richtet sich vor allem an all jene, die sich neue Formen der Erweiterung eines Festivalprogramms zu einer ganzjĂ€hrigen AktivitĂ€t ĂŒberlegen möchten, in der die lokalen Communitys aus Kunst, Aktivismus und Kulturproduktion rund um Kunst und Digitalkultur direkt angesprochen werden. Des Weiteren soll diese Analyse alle an der reSource-Erfahrung Beteiligten dazu einladen, weiter und breiter ĂŒber den Prozess nachzudenken, eine Methode der Vernetzung auf eine verfestigten Festivalstruktur zu legen. Dieser Text soll also eine kollektive Diskussion darĂŒber eröffnen, was in der Zukunft dieses und Ă€hnlicher Projekte wiederholt werden könnte und was vermieden werden sollte.

Die Vorstellung von einer „transmedialen“ ReSource

Die Entwicklung von reSource transmedial culture berlin folgte einer kuratorischen Vision, kĂŒnstlerische Praktiken und Sprachen mit kritischen Überlegungen zu Medienkultur zusammenzubringen. Das verband die reSource-Programmplanung mit der allgemeinen kuratorischen Entwicklung des transmediale-Festivals. Die AktivitĂ€ten des reSource-Programms entstanden durch die Organisation von ĂŒber das ganze Jahr verteilte Veranstaltungen mit in Berlin und anderswo tĂ€tigen KĂŒnstler:innen, Hacker:innen, Aktivist:innen, Forscher:innen und Kulturproduzent:innen – und mit zusĂ€tzlichen Manifestationen zu jedem Festival.⁠2 Die reSource-Initiative wurde zudem als eine dezentralisierte Plattform zum Netzwerken anvisiert. Sie sollte zudem die theoretische Untersuchung der Bedeutungen und Praktiken von vernetzter Kunst, Hacking und kollaborativer Kunstproduktion im Kontext eines internationalen Kunstfestivals ermöglichen. Im Prozess des Aufbaus einer solchen Community wollten wir mit einer durchgĂ€ngigen kuratorischen Methode arbeiten, die mit der Entwicklung des Festivalprogramms verbunden war. Zudem wollten wir uns ein Festival als eine geteilte Ressource fĂŒr eine breitere Gemeinschaft in Berlin und darĂŒber hinaus vorstellen.

Theoretisches Ziel war es, jenseits des Hypes um das technologische oder das digitale Paradigma die hybriden Verbindungen zwischen Kunst und Kultur im Alltagsleben in den Blick zu nehmen, in denen sich verschiedene Medien und Disziplinen vermischen. So wollten wir einem Pfad folgen, den die Fluxus- und frĂŒhere Avantgarde-Bewegungen vor Jahrzehnten initiiert hatten und der bereits von diversen Denker:innen analysiert worden ist.⁠3 WĂ€hrend viele Fluxus-KĂŒnstler:innen jedoch das Alltagsleben in die Kunst holen wollten, zielten viele gegenkulturelle Kunstprojekte in den spĂ€ten 1970er und 1980er Jahren darauf ab, kĂŒnstlerische Praktiken ins Alltagsleben zu ĂŒbertragen und das Konzept dieses „Alltagslebens“ zu hinterfragen. Eine der anfĂ€nglichen konzeptuellen Herausforderungen in der Entwicklung des reSource-Projektes war die Frage, wie eine Festivalperspektive in das „Alltagsleben“ der unabhĂ€ngigen Berliner Szene um Kunst und postdigitale Kultur einzubringen sei, die sehr fragmentiert und der Dynamik von „Großveranstaltungen“ gegenĂŒber oft kritisch eingestellt ist.

Hieraus ergab sich nicht nur ein strukturelles Problem, da das Festival bis dahin als einmal jĂ€hrlich stattfindende Veranstaltung wahrgenommen worden war, sondern es lag auch ein politisches Problem in dem Risiko, einer breiteren unabhĂ€ngigen Community eine Top-Down-Struktur aufzudrĂŒcken. Eine konzeptuelle Frage, die ich im transmediale-Team zur kuratorischen Debatte aufwarf, lautete, warum ein Festival wie die transmediale genau in der Stadt Berlin entstand und was das fĂŒr seine kollektive ReprĂ€sentation bedeuten kann.⁠4

Mit Bezug auf Die unsichtbaren StĂ€dte von Italo Calvino aus dem Jahr 1972 habe ich Berlin an anderer Stelle als modernes Eutropia beschrieben: „Berlin/Eutropia ist die Stadt, die sich immer verĂ€ndert und immer gleich bleibt. FĂŒr viele ist sie die Stadt des Flusses, der PrekaritĂ€t und des VorĂŒbergehenden. Doch sie ist auch die Stadt, in der PrekaritĂ€t und das VorĂŒbergehende die Norm darstellen, sie wiederholen sich wieder und wieder und nehmen in der Illusion der Bewegung des Fortschritts von Jahrzehnt zu Jahrzehnt unterschiedliche Formen an.“⁠5 In einem – transmedialen – Festival, das verschiedene Medien mit Kultur zusammenbringt und so „hindurch und darĂŒber hinaus [across and beyond]“ geht, lag die Herausforderung darin, wie die beweglichen und dynamischen Facetten der Stadt angesprochen werden konnten, in der das Festival sich bewegt. Berlin ist eine Stadt der Verbindungen, wo kĂŒnstlerische, mediale, politische und wirtschaftliche StrĂ€nge miteinander verwoben sind. Daher stellten sich zentral die Fragen, wie wir die lokale Dimension der Stadt in das Festival einbringen und es zugleich international erweitern können und wie wir wiederum die internationale Dimension des Festivals in den lokalen Kontext der Stadt einbringen können.

reSource 006: Overflow, Psychogeografischer Rundgang mit John Wild: Network Noise Drift

Das kuratorische Ziel hinter der Konzeption von reSource transmedial culture berlin war das Zusammenziehen interdisziplinĂ€rer Ausrichtungen, um das Programm so fĂŒr kĂŒnstlerische, politische, wirtschaftliche und körperliche Praktiken zu öffnen. Aus einer postdigitalen Perspektive auf die Bildung eines Pfades der Vernetzung, lag die eigentliche „Ressource“, die das Festival anbieten wollte, in der Schaffung von Kontexten fĂŒr Begegnung, Austausch und Diskussion unter Hacker:innen, Aktivist:innen, KĂŒnstler:innen, Kulturproduzent:innen, Akademiker:innen und ProjektrĂ€umen – also der komplexen Vielfalt der freien und unabhĂ€ngigen Berliner Szene. Die wesentliche Herausforderung war nicht nur struktureller, sondern auch politischer Natur: Das reSource-Projekt zielte auf einen Wandel in der Produktion des Festivals ab, auch in der ursprĂŒnglichen Vorstellung eines Festivalprogramms. Wir wollten ein verteiltes und ganzjĂ€hriges Projekt erzeugen, das ebenso innovativ mit dem Festivalformat umgehen konnte, wie mit der Wahrnehmung dessen, was ein Festival hervorbringen und in der Stadt gestalten muss. Hierauf gehe ich am Ende des Essays noch ein.

Der Ansatz: Vernetzen-Forschen-Kuratieren

reSource transmedial culture berlin nahm seinen Ursprung in einer Initiative, die FestivalaktivitĂ€ten der transmediale zu einem ganzjĂ€hrigen Programm zu erweitern, mit Höhepunkten zu jedem Festival. Die allgemeine Richtung war die Organisation von Veranstaltungen, VortrĂ€gen, Workshops, Performances und Konstellationen aus AktivitĂ€ten, die sich mit dem Festivalprogramm ĂŒberschnitten. Das reSource-Programm startete im September 2011 mit dem Ziel, ein Konzept der Vernetzung-Forschung-Kuration zu erarbeiten und in die Praxis umzusetzen. Diese Methode erweiterte die Festivalproduktion und verknĂŒpfte verschiedene Bereiche aus Theorie und Praxis: Überlegungen zu experimentellen Formen der Vernetzung und des Aufbaus einer Gemeinschaft, Forschung ĂŒber disruptive kĂŒnstlerische und aktivistische Praktiken im postdigitalen Kontext und einen dezentralisierten kuratorischen Ansatz, bei dem es um die Schaffung eines Prozesses geht statt um die bloße Produktion und PrĂ€sentation ausgewĂ€hlter Kunstwerke.

Die erste öffentliche EinfĂŒhrung des reSource-Projektes war die Formulierung einer Interessenbekundung im Oktober 2011 wĂ€hrend der Planung der Vortragsreihe fĂŒr die transmediale 2012.⁠6 Die ErklĂ€rung stellte das reSource-Vorhaben einer breiteren Öffentlichkeit vor und setzte einige spezifische Ziele entlang der theoretischen Perspektive einer Verschiebung vom digitalen Paradigma zu postdigitalen Praktiken im Zusammenhang mit Gesellschaft, Kultur, Politik und Alltagsleben.⁠7 Ausgehend von der Annahme, dass die zunehmende Kommerzialisierung von Praktiken des Teilens und Netzwerkens die Bedeutung von Kunst und Partizipation verĂ€ndert hat, richteten sich die zentralen Fragen des Textes an KĂŒnstler:innen, Aktivist:innen, Hacker:innen und Kulturproduzent:innen, die kritisch zur Idee des Netzwerkens arbeiten.

Die ErklĂ€rung fragt nach der Rolle kultureller Institutionen, die sich mit Kunst und digitalen Technologien befassen, und zeigt auf, dass Hacking- und Kunst-Praktiken auf die fundamentalen Transformationen in ihrem Teilhabekontext reagieren und hĂ€ufig ihre kulturelle und ökonomische PrekaritĂ€t widerspiegeln. Da im Berlin der letzten Jahrzehnte Hacking-, aktivistische und kĂŒnstlerische Praktiken vornehmlich außerhalb von Kunstinstitutionen umgesetzt wurden, betont der Text die Tatsache, dass diese Praktiken zur VerĂ€nderung der wirtschaftlichen und kulturellen Vermögen der Stadt beigetragen haben und zudem leichte Ziele fĂŒr marktförmige Ausbeutung geworden sind. In einem Kontext, in dem MĂ€rkte und Finanzen starken Einfluss auf die Kulturproduktion – und allgemein aufs Alltagsleben – nehmen, entstand die Frage, wie direkte Partizipation und gemeinsames Engagement ermutigt werden kann, ohne die allgegenwĂ€rtigen GeschĂ€ftslogiken und hierarchischen Formen der Steuerung zu reproduzieren.

Von Anfang an spiegelten die Fragestellungen von reSource transmedial culture berlin das BedĂŒrfnis, die Landschaft und die Wirkungen kĂŒnstlerischer und hacktivistischer Praktiken in dezentralen sozialen Netzwerken zu analysieren und zugleich fĂŒr die WidersprĂŒche und Uneindeutigkeiten aufmerksam zu bleiben, die ein PhĂ€nomen der breiten Vernetzung mit sich bringen kann. Wir reflektierten ĂŒber Machtstrukturen und Methoden der sowie ĂŒber das VerhĂ€ltnis zwischen Kunst und Netzwerkökonomien. Die dem reSource-Projekt zugrunde liegende Forschung bot eine Analyse disruptive Hacking- und kĂŒnstlerischer Praktiken im Bereich der Netzwerkkultur, aber auch eine tiefergehende Untersuchung von Vernetzung als Forschungsmethode. Meinem Forschungsweg zu diesen Themen folgend, konnte ich aufzeigen, dass es notwendig war, Konzepte wie Innovation und Störung, Kooptierung und Opposition als wechselseitige Feedbackschleifen neu zu denken, in denen die verschiedenen an diesem Prozess beteiligten Subjekte einander beeinflussen.⁠8

Diese Forschung machte deutlich, wie wichtig es war, den wechselseitigen Austausch von Methodik, Wissen und Projektraumerfahrungen zu fördern und auf diese Weise neue Möglichkeiten zu erkunden, um eine kulturelle Öffentlichkeit zu bilden und ĂŒber die kuratorische AktivitĂ€t des transmediale-Festivals nachzudenken. Dieser Rahmen prĂ€gte das erste Plenumstreffen mit Kurator:innen und Kulturproduzent:innen im Berliner Projektraum General Public wĂ€hrend der Veranstaltung reSource 001: Trial Crack im Mai 2012. Entsprechend eines Vorschlags von Panke e.V. und Art Laboratory Berlin, wurde dieser transdisziplinĂ€re Ansatz in monatlichen reSource-Netzwerktreffen in verschiedenen ProjektrĂ€umen und mit verschiedenen Kurator:innen weiter entwickelt – die seither regelmĂ€ĂŸig stattfinden. Im August 2012 mĂŒndeten diese AktivitĂ€ten in der Erstellung der Mailingliste reSource-net als Vernetzungsplattform, um Erfahrungen, Fragen und Probleme in der kĂŒnstlerischen und weiteren Szene der digitalen Kulturproduktion (und darĂŒber hinaus) auszutauschen und zu entwickeln.⁠9

Ein weiteres Ergebnis dieses Austauschs war die Publikation reSource Chats im September 2013, einer kreativen Montage aus Interviews mit verschiedenen Kulturproduzent:innen und Organisator:innen lokaler ProjektrĂ€ume in Berlin im Rahmen der Initiative „Networking Berlin’s transmedial culture“.⁠10 Nach dem transmediale-Festival 2012 hatte ich begonnen, die Wahrnehmung des neu gegrĂŒndeten reSource-Projekts und der transmediale im Allgemeinen durch verschiedene Kulturproduzent:innen, KĂŒnstler:innen und Kurator:innen in Berlin zu untersuchen. Das hieraus entstandene Interview-Projekt sollte die Ansichten und Gedanken von Berliner Kulturproduzent:innen und die Bedeutung von deren Arbeit im Kontext von Kulturpolitik und Vernetzungsmodellen dokumentieren. Das Projekt betonte die StĂ€rken und SchwĂ€chen der genre-ĂŒbergreifenden Arbeit in der Kulturlandschaft Berlins und nahm den hybriden Charakter von AktivitĂ€ten in den Blick, die Medien, Praktiken und Sprachen vermischen und denen es meist ebenso an politischer und kultureller Anerkennung mangelt wie an finanziellen Mitteln.⁠11

Die kuratorische Entscheidung, die reSource als einen Vernetzungsprozess zu gestalten, lag auch der VerknĂŒpfung des Projekts mit der Vorspiel-Produktion zugrunde, dem Partnerprogramm der beiden Festivals transmediale und CTM. So sollte eine offene Plattform zur Verbindung verschiedener lokaler RĂ€ume entstehen, um Ressourcen zu teilen und die wechselseitige Sichtbarkeit zu unterstĂŒtzen. Das Vorspiel-Programm förderte die digitale und postdigitale Kultur unter den unabhĂ€ngigen Organisationen, ProjektrĂ€umen, Galerien und weieren Veranstaltungsorten in Berlin und stĂ€rkte so deren Vernetzung. Durch das Schaffen eines Rahmens fĂŒr Austausch und Synergien im reSource-Netzwerk und dessen Umfeld sollte die Vorspiel-Produktion also zum strategischen Ergebnis eines Vernetzungsprozesses werden – anstatt eine bloße Folge der Auswahl von Projekten und Kunstwerken aus dem Festival zu sein. Dieser Prozess mĂŒndete in der Veranstaltung reSource 003: P2P Vorspiel im Februar 2013 und wurde in den folgenden Vorspie l-Veranstaltungen weiter entwickelt – als eine Reihe in der Stadt verteilter AktivitĂ€ten vor und wĂ€hrend der Festivals transmediale und CTM.

SPACE US THE PLACE Performance, Liebig12 wÀhrend reSource 003: P2P Vorspiel

reSource der fortwÀhrenden Kunstproduktion

Eine der Herausforderungen in der Entwicklung von reSource transmedial culture berlin zwischen 2011 und 2014 bestand darin, das Projekt als Labor fĂŒr Kunstproduktion zu gestalten. Es sollte nicht nur bestimmte Kunstwerke zur PrĂ€sentation beim Festival hervorbringen, sondern auch am Prozess der Vernetzung und an dezentralen Interventionen – auf der Grundlage langfristiger Beziehungen zwischen dem Festival und den Szenen rund um Kunst und (post)digitale Kultur – arbeiten. Im Sommer 2012 organisierte ich die praxisorientierte Konferenz und Veranstaltungsreihe reSource 002: Out of Place, Out of Time. Vom 22. bis 24. August fanden im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien offene Diskussionen, Panels, Workshops und Performances statt. Sie beleuchteten die Praktiken von KĂŒnstler:innen, Aktivist:innen und Hacker:innen, die sich kritisch mit Interventionen im Bereich von Kunst und Technologie auseinandersetzen. Der Organisation dieser Veranstaltung ging eine intensive Forschung zu Praktiken des Netzwerkens voraus, die fĂŒr analoge (unzeitgemĂ€ĂŸe) Vernetzungsprozesse aufmerksam war und die Verschiebung kultureller Paradigmen durch Netzwerktechnologien beachtete. Die dreitĂ€gige Veranstaltung reflektierte ĂŒber Formen der Kunstproduktion im Rahmen von digitaler Kultur und Netzwerkökonomien und ermöglichte zugleich einen kollektiven Einblick in die Themen der kommenden Festivals der transmediale und CTM.⁠12

Die Veranstaltung war auch Gelegenheit zum Auftakt dreier großer Installationsprojekte, die in den Folgemonaten entwickelt und bei der transmediale 2013 gezeigt wurden. Das Erste war OCTO P7C-1 (mit dem verbundenen Mail-Art-Projekt PNEUMAtic circus), das aus einer Zusammenarbeit zwischen dem reSource-Projekt, dem transmediale-Festival, dem Berliner Kunstkollektiv Telekommunisten, der Berliner Architekturgruppe raumlabor und einem Netzwerk aus mehr als einhundert internationalen Mail-Art-KĂŒnstler:innen hervorging. Die Installation war sowohl eine lebendige Metapher eines sozialen Netzwerks als auch eine Hommage an die lokale Berliner Rohrpost (eine öffentliche pneumatische Rohrpostanlage, die ab 1865 errichtet wurde). Das zweite Projekt war ReFunct Media 5, eine Circuit-Bending-Installation (die Schaltkreise veralteter Technologien werden zur Klangkreation kurzgeschlossen), die im Haus der Kulturen der Welt wĂ€hrend der transmediale 2013 ausgestellt wurde. Dieses weiterhin bestehende kollektive Projekt war im August 2012 aus einem Minitel-Hacking-Workshop von Benjamin Gaulon und Karl Klomp hervorgegangen. Beim dritten Projekt Composting the City / Composting the Net von Shu Lea Cheang handelte es sich um eine Kunstinstallation, die entsorgte Essensreste sowie den immateriellen Abfall von Netzdaten verarbeitete. Nachdem sechs Monate lang kollektiv kompostiert worden war, kam wĂ€hrend der transmediale 2013 ein Netzwerk von Leuten zu einer Live-Performance zusammen.⁠13

Die Veranstaltung reSource 002 schlug also das praxisbasierte „Ausprobieren“ der kommenden Festivalthemen vor und bot ein dezentrales genre-ĂŒbergreifendes Programm unter Einbezug verschiedener KĂŒnstler:innen, Hacker:innen und Performer:innen aus lokalen und internationalen Netzwerken.⁠14 Dieser interdisziplinĂ€re, translokale Ansatz war wesentlich fĂŒr die folgenden reSource-Veranstaltungen im Jahr 2013, in denen wir versuchten, die lokale Debatte mit den aufkommenden internationalen Debatten um Whistleblowing zu verbinden.⁠15 Diese Auseinandersetzungen wurden bei der transmediale 2014 im Konferenzstrang „Hashes to Ashes“ kuratorisch wieder aufgegriffen, in deren Rahmen die Zukunft von politischer HandlungsfĂ€higkeit, freier MeinungsĂ€ußerung und Informationsfreiheit diskutiert wurde. Hier gab es Gelegenheit fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber die Strukturen der EinschĂŒchterung und Bedrohung, die Whistleblower:innen, Cyber-Aktivist:innen und Journalist:innen zum Schweigen bringen sollten.⁠16 Dieses kritische Nachdenken ĂŒber die postdigitale Gesellschaft wurde in der letzten Veranstaltung der Reihe *reSource 00+*weiterentwickelt, die vom 12. bis 14. September 2013 mit dem Titel reSource 006: Overflow wieder im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien stattfand. Die Veranstaltung beleuchtete verschiedene Strategien, um digitale und physische RĂ€ume neu zu denken, und befasste sich mit Fragen rund um den DatenĂŒberlauf, wie Eigentum und Datenschutz sowie Möglichkeiten der Verbreitung und gemeinsamen Nutzung komplexer Daten – allesamt Themen, die die Debatten rund um die transmediale 2014 prĂ€gten. Der Zustand des „Überlaufs“ warf auch Licht auf den zunehmenden Wunsch, Teil eines erweiterten, verbundenen Kollektivs zu sein, das bewusste Strategien des Netzwerkens, der Kommunikation und der Teilhabe von unten erfindet.⁠17

resource 006: Overflow, LEAKAGE CURRENT Workshop von Jamie Allen und David Gauthier

Methodisch sollte die Reihe reSource 00+ die Verbindung zwischen Grassroots-Initiativen der Kunst- und Digitalkulturszenen Berlins und der transmediale stĂ€rken, indem einige davon im Festival selbst ins Leben gerufen wurden. So sollte sich ein experimentelles Labor entwickeln, das durch das Zusammenlaufen des reSource-Programms mit dem transmediale-Festival als Ganzem einige der kuratorischen Pfade des Festivals beeinflussen könnte. Dies erzeugte hervorragende Ergebnisse wie die oben beschriebenen Projekte der transmediale 2013 und 2014 – aber auch einige politische und strukturelle Herausforderungen im Kontext des Vernetzungsprozesses sowohl innerhalb als auch außerhalb des Festivals.

Versuch und Irrtum in Berlins Landschaft der Kulturproduktion

Eines der Hauptziele des reSource-Programms war es, die VerknĂŒpfung der Kulturproduktion durch Kunstfestivals mit kollaborativen Netzwerken rund um Kunst und Technologie, Hacktivismus und Politik zu stĂ€rken – und unter diesem Dach die Zusammenarbeit und das Teilen von Ressourcen und Wissen zwischen dem transmediale-Festival und der lokalen und translokalen Szene der Berliner Kunst und Digitalkultur zu fördern. Das reSource-Projekt wirkte auf mehreren Ebenen der Konzeptualisierung und kuratorischen Entwicklung und umfasste ĂŒberaus vielfĂ€ltige Akteur:innen: das ganzjĂ€hrig tĂ€tige Team des transmediale-Festivals, die temporĂ€r zur Festivalproduktion zusĂ€tzlich eingestellten Teammitglieder, die institutionellen Kooperationspartner:innen des reSource-Projekts und die Community rund um Kunst und Digitalkultur in Berlin, die an den monatlichen Netzwerktreffen und an den Vorspiel-Veranstaltungen beteiligt ist. Das reSource-Teamarbeitete an der Entwicklung einer dezentralen und vernetzten kuratorischen Festivalstrategie sowie an der Schaffung greifbarer und konkreter AktivitĂ€ten in der ganzen Stadt, die das Festival ĂŒber das ganze Jahr erweitern können. Hierbei handelte es sich in hohem Maße um ein Experiment, was zeigt, dass eine Methodologie von Versuch und Irrtum in der kuratorischen Entwicklung des reSource-Programms schon seit dessen Namensgebung verankert war. Im Oktober 2011 schrieb ich in der anfĂ€nglichen ProjekterklĂ€rung:

„Wenn eine Quelle [source] der Anfang – der Ursprung – von etwas ist, dann wird reSource in diesem Kontext als ein Ausgangspunkt verstanden, von dem aus ein dezentraler Prozess des Austauschs und ein gemeinsames, ausfĂŒhrbares (kĂŒnstlerisches) Programm produziert wird. Die so anvisierte reSource fĂŒr transmediale Kultur soll in einer Form verbreitet werden, die zu einer ganzjĂ€hrigen AktivitĂ€t mit Manifestationen zu jedem Festival erweitert wird. Diese Form umfasst sowohl deren ausfĂŒhrbare Dateien als auch ihren Quellcode. Quellcodes sind von Nutzen, um ein Programm zu modifizieren oder um zu verstehen, wie es funktioniert. Indem wir dieses Konzept im Sinne einer reSource fĂŒr transmediale Kultur breiter fassen, entsteht die Zielsetzung einer vernetzten, verteilten Plattform und einer (ausfĂŒhrbaren) Metareflexion ĂŒber die Bedeutung und die Praktiken von vernetzter Kunst, Hacking und kollaborativer Kunstproduktion im Kontext eines internationalen Kunstfestivals.“⁠18

Von Anfang an legte das Projekt einen kuratorischen Ansatz des „Vermutens und PrĂŒfens“ nahe. Ein „Trial-Crack“, ein Test-Crack [Crack: Softwarekopie durch Knacken von Code], wurde als konzeptuelles Experiment vorgeschlagen. So erhielt die erste kollektive Veranstaltung im Mai 2012 ihren Namen. Der erste Tag von reSource 001: Trial Crack eröffnete eine Diskussion zwischen Berlinre Kulturproduzent:innen ĂŒber vernetzte Methoden des Kuratierens und eine dezentrale Logik der Kunstproduktion. Wir sprachen ĂŒber die Verantwortung und Rolle von Kulturinstitutionen, die sich mit Kunst und digitalen Technologien befassen, hinsichtlich eines kritischen Ausdrucks von Kulturproduktion. Zusammen mit anderen aktiven Gruppen im unabhĂ€ngigen Berliner Kulturkontext diskutierten wir Ideen, wie eine stĂ€rkere Verbindung zwischen den lokalen – und translokalen – Akteur:innen in den Bereichen von kritischen Medien, Kunst und Hacktivismus in der Stadt zu schaffen sei. Derselbe Vernetzungsansatz prĂ€gte die folgenden reSource-Netzwerktreffen, die – wie bereits erwĂ€hnt – seither regelmĂ€ĂŸig und spontan von den Mitgliedern der Berliner ProjektrĂ€ume ausgerichtet werden.

Diese Vernetzungsveranstaltungen waren gute Plattformen, um gemeinsam ĂŒber die Schwierigkeit nachzudenken, in einer Stadt mit derart vielen zeitgleichen Veranstaltungen Verbindungen aufzubauen. Durch diese Begegnungen konnten langfristige Beziehungen zwischen einigen der Projekte gedeihen, die weiterhin schöne Ergebnisse hervorbringen. Es wurde möglich, einen engen Kontakt mit der vielfĂ€ltigen und fragmentierten Szene aus ProjektrĂ€umen in der Stadt aufzubauen und Gelegenheiten zum Austausch unter Kulturproduzent:innen, KĂŒnstler:innen und Kurator:innen zu schaffen. Zudem konnte die Etablierung des Vorspiel-Programms sowohl neuen als auch stadtbekannten ProjektrĂ€umen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen – wobei der Plan, dezentrale Veranstaltungen in einem engen Zeitrahmen zu bĂŒndeln auch Schwierigkeiten mit sich brachte, wie die Überschneidung von Programmpunkten oder die gleichzeitige Teilnahme an mehreren VeranstaltungsstrĂ€ngen.

Positive Ergebnisse des reSource-Programms waren die Verbindung von Akteur:innen und die durchgĂ€ngige PrĂ€senz der transmediale ĂŒber die Festivalveranstaltungen hinaus – und im Dialog mit ihrem Berliner Kontext. Der Prozess, ein ganzjĂ€hriges, lokal wie international ausgefĂŒhrtes Programm je als ein Netzwerk aus lokalen Akteur:innen und als kuratierte Veranstaltungsreihen vor und wĂ€hrend des Festivals zu etablieren, warf jedoch auch vielfĂ€ltige Fragen hinsichtlich basisdemokratischen Engagements, organisatorischer Hierarchien und Nachhaltigkeit auf. Welche Rolle nehmen Festivals in der Ökologie der Kunstproduktion ein? Wie können sie hier neue kreative Wege eröffnen? Welche Bedeutung haben sie fĂŒr die Szenen, die sie einbinden? Wie bemessen wir den Einfluss der Festivals auf diese Akteur:innen? Kann ein Festival nachhaltig zugleich an einem lokalen Programm und an einer internationalen Veranstaltung arbeiten? Wie profitieren unabhĂ€ngige ProjektrĂ€ume von der Kooperation mit einem Festival – ĂŒber die offensichtlich hinzugewonnene Sichtbarkeit hinaus?

Die Beantwortung dieser Fragen ist komplex. In meiner eigenen in den Fragen situierten Perspektive – als Beteiligte und Koordinatorin des reSource-Netzwerks sowie als Kuratorin des transmediale-Festivals von 2011 bis 2014 – stand ich hĂ€ufig zwischen und quer zu zwei verschiedenen Kontexten mit ihren jeweiligen PrioritĂ€ten: einem großen Festival und einer heterogenen Szene. Der Prozess, Gemeinschaft aufzubauen, ist sehr langsam und hat keine unmittelbaren Ergebnisse. Im Kontext des reSource-„Experiments“ ging es bei diesem Prozess vor allem darum, das Vertrauen von Personen, Gruppen und Institutionen zu gewinnen. Bei einer vom Festival angetriebenen Initiative lag die Gefahr darin, dass die Organisator:innen als „Top-Down“-Koordinator:innen kollektiver Veranstaltungen wahrgenommen wĂŒrden – da das Festival ĂŒber eine gefestigte Reputation und mehr Mittel als die lokalen ProjektrĂ€ume verfĂŒgt. Das so entstehende Risiko, eine hierarchische Struktur zu wiederholen und Ausbeutung zu ermutigen war also von besonderer Bedeutung – ein Festival kann ein gewisses Maß an „Sichtbarkeit“ anbieten, aber keine wirtschaftliche Anerkennung fĂŒr eine breite Szene von Akteur:innen und Partner:innen ermöglichen.

In der Moderation eines basisdemokratischen Netzwerks als ein großes Festival wahrgenommen zu werden, erzeugt auch Erwartungen hinsichtlich der Verteilung von Ressourcen und Geldern. Doch rennt ein Festival, das relativ „experimentell“, unkommerziell und kleiner ist, als es womöglich erscheint (das Team ist nur zum Festivalzeitraum breit aufgestellt) selbst den eigenen Deadlines und Finanzierungsherausforderungen hinterher, um das Weiterbestehen des Festivals zu sichern. Die Folgen hiervon waren auch in der Produktion des reSource-Programms deutlich. Das Programm hĂ€tte eine kontinuierliche, tiefergehende, interne Analyse der Etablierung einer gemeinschaftlichen Vernetzung erfordert. Doch da die Personen, die das reSource-Vorhaben entwickelten, gleichzeitig auch am Festivalprogramm arbeiteten, konnten wir der Vernetzung, den politischen AktivitĂ€ten und diesbezĂŒglichen Diskussionen oft nicht ausreichend Zeit und Ressourcen widmen.

Eine der lebhafteren Debatten im reSource-Team drehte sich um den Widerspruch zwischen der Tatsache, dass die reSource-Idee einer kuratorischen Vision innerhalb des Festivals entsprungen war, sich aber eine breiteren Szene öffnete, die sich nicht unbedingt mit dem Festival identifizierte. WĂ€hrend die PrĂ€senz eines Festivals im Prozess der Gemeinschaftsbildung selbstverstĂ€ndlich eine gute Gelegenheit fĂŒr gesteigerte Sichtbarkeiten bot, wurde das reSource-Projekt von vielen Akteur:innen dieser Gemeinschaft auch als Möglichkeit genutzt, um eigene basisdemokratische Netzwerke zu schaffen, die ohne externe „mĂ€chtige“ Einflussnahme autonom aufgebaut wurden – so entstand die Plattform unabhĂ€ngiger ProjektrĂ€ume Technology Based Art (TBA) Berlin, die von einer Untergruppe des reSource-Netzwerks parallel entwickelt wurde.⁠19

resource 006: Overflow, LEAKAGE CURRENT Workshop von Jamie Allen und David Gauthier

Simultaneously, in the transmediale team, a major difficulty was in maintaining the sustainability of the reSource program itself, considering that the creation of a year-round activity with touchdowns at each festival was influencing the festival programming and the general production capability of the team. During my time as reSource program curator, the festival was struggling to provide enough time and resources to invest in this new network structure and the distributed program of events. In reality, this activity would have required a team of people and a budget especially dedicated to the reSource project, while, because of general funding strategy, it was necessary to maintain enough resources for the realization and dissemination of the regular transmediale festival events.

The need to build and communicate the festival program often took priority; reSource was faced with the challenge of both sustaining internal structural innovation and the difficulty of influencing the political view of the festival itself, having a different curatorial direction and methodology. The clash between a slow community-building process, the planning of events throughout the year, and the whole festival production, was often difficult to integrate, communicate, and coordinate. The need for a sustainable work environment and for acquiring enough funds for both the year-long activities and the festival program made the development of the year-long event program a challenge, especially within the general festival production. If a festival is also struggling to acquire enough funds and resources to keep an intense work schedule running, how can it take the lead to develop a wider network activity? What structures are necessary to make an ongoing project like reSource sustainable and to maintain a team of community facilitators on a long-term basis? How can the objectives of a festival be developed alongside those of a heterogeneous community of independent cultural producers and project spaces?

These questions point to a general political problem embedded in the way cultural production is conceived, with the consequence being a general lack of resources to be distributed to a wider community, as well as a challenge of systematizing sustainability measures to guarantee fair working conditions within and outside a festival structure.⁠20 A city like Berlin needs not only great public events but also a lively community of project spaces generating a network of macro- and micro-activities: do these two logics necessarily contradict each other?

The experience of reSource transmedial culture berlin embodied these apparently clashing perspectives. It generated many artistic experiments, ideas, connections, and activities during the year and the festival, following the idea of bringing the festival closer to the people in the city environment, and it engaged in sharing the process behind the festival. However, these contradictions remain open. The resource project was not able to change the festival production mode or its structural hierarchies to a larger extent. The partners of reSource shared the responsibility of some events, providing intellectual engagement and in some cases location facilities, but the production of the events was still under the realm of the transmediale festival team. The program development of reSource was influenced by many factors: the perspective of the community, the curatorial concept behind it, the management of the festival, and the funding limitations.

The question of how to sustainably fund and direct a festival that is not only oriented by the logic of producing “big events” is still open. Further exploration is needed into the possibilities of funding and encouraging long-term distributed network activities that do not bring immediate results. How can we encourage cultural production based on the creation of networks, enabling the local and the international perspective? How can we analyze these questions in the bigger picture, not only relating to the lack of funds? How is it possible to act collectively with other networks of producers and institutions toward the creation of a distributed and shared program of events?

The challenge, as was stated at the very start, is to keep working on creating opportunities for cultural production based on networked activities that are not easily monetized, as well as to strive for better structural conditions and fairly distributed cultural investments, beyond underpaid jobs or the politics of internships and gentrification. reSource transmedial culture berlin started its activity by specifically highlighting these issues in the open statement of interest directed to the broad Berlin and international community, and it experimented with similar sustainable and relational challenges related to the development of hybrid cultural projects and communities. In a sense, it became a mirror of such issues, and an important experiment where contradictions embedded in the development of networking structures and processes could be tested.

After the spring of 2014, I decided to develop a new curatorial project: the Disruption Network Lab, which has been taking place since 2015 as a series of conference events at Kunstquartier Bethanien’s Studio 1 (in cooperation with Kunstraum Kreuzberg/Bethanien). Going beyond digital culture per se, the Disruption Network Lab consolidates my previously applied curatorial methodology of merging with other practices, such as hacking, activism, politics, sexuality, and whistleblowing, generating discussion contexts where local and international experts meet and collaboratively unfold the matters. Here, a “montage methodology” is taking form, by combining various experts from different communities and fields who rarely enter into dialogue, in a networking configuration of talks focusing on specific topics.⁠21

The choice of developing this program through various events over a time frame of several months, proposing the format of a “laboratory,” aims to further expand a distributed curatorial perspective that extends into ongoing activities in the city of Berlin. This curatorial approach also has a political purpose in that it aims to generate a sustainable program that is spread throughout the year, instead of concentrating resources into a few days of annual public activity. This encourages a slower and more in-depth process, where local and international networks in the fields of art, technology, hacktivism, and politics create exchanges and dialogues and improve mutual awareness. As the philosopher, art critic, and feminist Carla Lonzi suggested, in order to create an artwork, there is always a body of relationships necessary to make it.⁠22 It is from relationships, and the dialogues about them, that we need to start encouraging new forms of imagination and eventually new forms of practice.

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    Tatiana Bazzichelli, Networked Disruption, Rethinking Oppositions in Art, Hacktivism and the Business of Social Networking (Aarhus: Digital Aesthetics Research Center, Aarhus University, 2013), 36–50
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    Ich habe von September 2011 bis MĂ€rz 2014 im Dialog mit dem kĂŒnstlerischen Leiter Kristoffer Gansing fĂŒr die transmediale das Programm des Festivals kuratiert und das Programm des reSource-Projekts entwickelt. Diese TĂ€tigkeit gestaltete sich gemeinsam mit Daniela Silvestrin, die von September 2011 bis Februar 2012 Programmassistenz im reSource-Projekt war und von September 2013 bis Februar 2015 Projektmanagerin der Konferenz der transmediale. Von MĂ€rz 2012 bis Februar 2013 arbeitete dann Georgia Nicolau als reSource-Projektmanagerin mit mir zusammen. An der Entwicklung des Programms reSource 003 P2P Vorspiel im Februar 2013 war zudem Heiko Stubenrauch als Projektassistenz beteiligt. Er hat auch gemeinsam mit Georgia Nicolau die reSource Chats transkribiert, die von Lina Zuppke und mir lektoriert wurden und in der ersten Ausgabe des transmediale-Magazins Uncertain Space: Media Art All Over? (Berlin, 2013) veröffentlicht sind. Schließlich möchte ich Kim Voss danken, die an der Programmproduktion zum Vorspiel 2015 mitwirkte, sowie Georgia Nicolau fĂŒr ihre Gedanken und VorschlĂ€ge zu diesem Text.
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    Siehe The Everyday Life Reader, hg. von Ben Highmore (London: Routledge, 2002).
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    Ich konnte diese Überlegungen bereits bei einem internen Strukturworkshop vorstellen, der am 29. April 2013 im BĂŒro der transmediale im Podewil in Berlin stattfand. Der Workshop ermöglichte dem transmediale-Team einen Austausch ĂŒber unsere Visionen fĂŒr das Festival.
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    Bazzichelli, „Networking Berlin’s transmedial culture“, in: Uncertain Space – Media Art All Over? Nr. 1, 2013, 14.
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    Die erste Veranstaltung, die im Rahmen des reSource-Projekts vor dem Festival organisiert wurde, war die Konferenz in/compatible Research an der Berliner UniversitĂ€t der KĂŒnste im November 2011. Die Konferenzreihe war das Ergebnis einer Kooperation des reSource-Projekts mit der Aarhus University. Die Kooperation sollte eine Forschungsagenda in das transmediale-Festival einbringen. Die gemeinsam organisierten Forschungsworkshops hatten das Ziel, zu den Festivals ein Peer-Review-Journal herauszugeben. Die Entwicklung des fortbestehenden Projekts „APRJA: A Peer-Reviewed Journal About“ ist auf der Webseite nachvollziehbar: http://www.aprja.net (letzter Zugriff auf alle hier verwiesenen Links am: 4.6.2017).
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    Siehe Bazzichelli, „reSource for transmedial culture: Statement of interest & call for collaborations“, Oktober 2011, http://www.transmediale.de/content/resource-statement-interest .
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    2012 wurde reSource transmedial culture berlin Teil einer institutionellen Zusammenarbeit zwischen der transmediale und dem Centre for Digital Cultures der Leuphana UniversitĂ€t LĂŒneburg. Als Postdoc schrieb ich dort das Projekt Transmedial Culture: A Practice-Based Research Project of Networking Art and Culture. Dieses gemeinsame Forschungsprojekt verknĂŒpfte von Juli 2012 bis MĂ€rz 2014 die transmediale mit dem Centre for Digital Cultures. Das Forschungsziel beschrieb reSource transmedial culture berlin als ein Projekt zur Etablierung eines Labors des geteilten Wissens fĂŒr lokale und translokale dezentrale Netzwerke und zum Austausch zwischen akademischen und nicht-akademischen Bereichen der Wissensproduktion. Es sollten praxisorientierte Reflexionskontexte entstehen und durch einen interdisziplinĂ€ren und dezentralen kuratorischen Ansatz der Organisation von Veranstaltungen, Workshops und VortrĂ€gen auf einer lokalen, regionalen und internationalen Ebene sollte Feedback an Theorie und Praxis zurĂŒckgegeben werden.
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    Siehe Bazzichelli, „reSource-net: the mailing list of the ‚reSource transmedial culture berlin‘“, August 2012, https://transmediale.de/content/resource-net .
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    Die Initiative begann im FrĂŒhling 2012 als Teil meines Forschungsprojekts Transmedial Culture: A Practice-Based Research Project of Networking Art and Culture am Centre for Digital Culture der Leuphana UniversitĂ€t LĂŒneburg in Zusammenarbeit mit dem transmediale-Festival.
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    Die Interviews wurden ab Mai 2012 und mit folgenden Personen gefĂŒhrt: Christian de Lutz / Art Laboratory Berlin; Georg Hotz / ausland; Dr. Podinski / Citizen Kino; Francesco Macarone Palmieri aka Warbear / Gegen; Daniel Franke, Kai KreuzmĂŒller und John McKiernan / LEAP; Allegra Solitude / Liebig12; Erika Siekstelyte und Justas Rudziaskas / Panke e.V.; Pit Schultz und Diana McCarty / reboot.fm; Ela Kagel / Supermarkt; Florian WĂŒst / Haben und Brauchen. Sie sind online verfĂŒgbar: http://www.transmediale.de/resource/chats . Ein Auszug wurde als kreative Montage in der Rubrik „snapchat:#bln“ („reSource Chats 1-2-3“) im transmediale-Magazin veröffentlicht: Uncertain Space: Media Art All Over?, 1, 2013, 4–13. Bei der Vorstellung der reSource Chats bei der Veranstaltung reSource 003: Overflow vom 12. bis 14. September 2013 im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in Berlin fanden weitere GesprĂ€che mit unabhĂ€ngigen Kulturproduzent:innen statt – unter anderem mit Christian de Lutz, Dr. Podinski, Ela Kagel, John McKiernan, Kai KreuzmĂŒller und Daniel Franke, Francesco Warbear Macarone Palmieri, Erika Siekstelyte und Allega Solitude (siehe: https://transmediale.de/de/content/resource-006-overflow ).
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    Einige AktivitĂ€ten wurden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen am Centre for Digital Cultures, d.h. Mitgliedern des Post-Media Labs und der Gruppe Hybrid-Publishing durchgefĂŒhrt. Clemens Apprich und Oliver Lerone Schultz (Post-Media Lab) kuratierten gemeinsam den Runden Tisch Networks Out of Hands mit lokalen und translokalen Aktivist:innen, wĂ€hrend Simon Worthington von Hybrid Publishing auf dem Panel Imaginary Network sprach. Durch die im Rahmen des Ansatzes „Vernetzen-Forschen-Kuratieren“ entwickelte praxisbasierte Kooperation entwickelte sich die Zielsetzung der interdisziplinĂ€ren Beziehung und Zusammenarbeit zwischen dem transmediale-Festival und der Leuphana UniversitĂ€t LĂŒneburg weiter. Diese konkrete Kooperation war ein positives Ergebnis der vorhergegangenen Monate der Zusammenarbeit (das Post-Media Lab war schon seit April 2012 Partner des reSource-Projekts).
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    FĂŒr eine detailliertere Beschreibung der vom reSource-Projekt ausgerichteten kĂŒnstlerischen Workshops, siehe: Bazzichelli, „reSource: Three Ongoing Network Projects“ im Festivalkatalog der transmediale 2013.
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    FĂŒr das vollstĂ€ndige Programm, siehe: http://www.transmediale.de/content/resource-002-out-place-out-time .
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    Ein Beispiel war die Veranstaltung im Rahmen von reSource 005 zur UnterstĂŒtzung von Chelsea Manning am 5. Mai 2013 bei Urban Spree, The Medium of Treason – The [] Manning Case. Bei der Veranstaltung sprachen Birgitta JĂłnsdĂłttir, Andy MĂŒller Maguhn und John Goetz sowie die Free Chelsea Manning Initiative Berlin (damals noch unter dem Namen „Free Bradley Manning Initiative Berlin“). Die Veranstaltung kuratierte ich in Zusammenarbeit mit Diani Barreto (https://transmediale.de/resource-005/the-medium-of-treason ).
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    Im Kontext des transmediale-Festivals vom 29. Januar bis 2. Februar 2014 habe ich in Zusammenarbeit mit Kristoffer Gansing die Festival-Konferenz kuratiert. Die Konferenz war in drei thematische StrĂ€nge gegliedert: „Hashes to Ashes“ (von mir kuratiert und geleitet), „Will You Be My Trashure?“ (gemeinsame Leitung durch Francesco Macarone Palmieri und Katrien Jacobs) sowie „An Afterglow of the Mediatic“ (gemeinsame Leitung durch Jussi Parikka und Ryan Bishop). Ich moderierte das zentrale Panel am 30. Januar 2014 – Art as Evidence mit Jacob Appelbaum, Trevor Paglen und Laura Poitras – und konzipierte andere Panels in diesem inhaltlichen Teil. Der Strang „Hashes to Ashes“ sollte insbesondere Whistleblower:innen, Hacker:innen, KĂŒnstler:innen und Aktivist:innen in Kontakt bringen, um ĂŒber die Kunst der Aufdeckung als Strategie aufzuklĂ€ren und ein Bewusstsein ĂŒber versteckte Fehler in soziopolitischen Systemen zu schaffen. Der Strang „Will You Be My Trashure?“ verknĂŒpfte Kartierungen und Territorien der sexuellen Kontrolle, des Umgangs mit Sozialen Medien, Neue-Medien-Performances, Körperpolitiken und queeren Aktivismus. Der Fokus von „An Afterglow of the Mediatic“ lag darauf, wie das Geologische und das Geophysische in unserer zeitgenössischen Kunst, Politik und Gesellschaft eingebettet sind.
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    Im Sinne einer Vorstellung vom reSource-Projekts als fortwĂ€hrender Kunstproduktion prĂ€sentierte John Wild sein Projekt Mapping the reSource Network im Rahmen von reSource 006. Von Mai bis September 2013 arbeitete Wild mit dem reSource-Projekt zusammen, um das reSource-Netzwerk unabhĂ€ngiger technologischer Kunst- und Hacking-RĂ€ume in der Stadt zu kartieren. Diese PrĂ€sentation bot einen Überblick der Projektergebnisse: eine funktionale Android-App, die unabhĂ€ngige Kunst/Hacking-RĂ€ume in Berlin sichtbarer machen sollte, sowie Klangabstraktionen des Netzwerks. FĂŒr weitere Informationen, siehe: https://transmediale.de/content/mapping-the-resource-network .
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    Siehe Bazzichelli, „reSource for transmedial culture: Statement of interest & call for collaborations“, Oktober 2011, http://www.transmediale.de/content/resource-statement-interest .
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    TBA (Technology Based Art) Berlin ist ein unabhĂ€ngiges Netzwerk fĂŒr KĂŒnstler:innen, Kurator:innen, Wissenschaftler:innen und alle anderen, die sich im Bereich der technologiebasierten Kunst in Berlin bewegen. Helena Lingor hat die TBA-Webseite erstellt und betreut auch die facebook-Gruppe: http://www.tbaberlin.de/ , www.facebook.com/TBAberlin .
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    I introduced some of these issues at the event What Drives Us? A Forum on Festival Sustainability, a conference and roundtable discussion at The HTMlles 11 “Zero Future” Feminist Festival of Media Arts and Digital Culture, Montreal, Canada, November 7–15, 2014.
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    For more information, see: www.disruptionlab.org .
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    See: Carla Lonzi, Autoritratto (Milan: et al./Editions, [1969] 2010).