Als GroĂbritannien das 70. ThronjubilĂ€umâ 1 des Oberhaupts seiner Monarchie feierte â einer Institution, die irgendwie noch immer nicht tot ist, auch wenn besagte Monarchinâ 2 sich im Jahre 2022 unseres Herrn schlieĂlich verabschiedet hat â, stĂŒrzten sich die Medien auf eine besonders merkwĂŒrdige Szene: Bei einer Parade winkte eine digitale ReprĂ€sentation von Elisabeth II. der Menge aus der Gold State Coach heraus zu, der besonders vergoldeten Kutsche der britischen Royals. So wurde die Königin inszeniert: nicht 96 Jahre alt, sondern als knackige 27-JĂ€hrige, umgeben von massivem Gold â ganz so, wie der Moment 1953 bei ihrer Krönung eingefangen worden war. Die Presse sprach davon, dass die Königin von einem Hologramm vertreten worden sei.â 3 Die Monarchin fehlte bei ihrer eigenen JubilĂ€umsfeier und die von ihr gefĂŒhrte Institution lieferte prompt Ersatz fĂŒr ihr Konterfei.
Das erinnert an die groĂe Reichweite der mittelalterlichen politischen Theologie â an das, was der deutsche Historiker Ernst Kantorowicz so vortrefflich als "die zwei Körper des Königs" bezeichnete. Dieser Glaube ermöglichte die Fiktion eines SouverĂ€ns, der nicht nur den eigenen physischen Körper bewohnte, sondern auch den ungreifbaren, immer anwesenden Staatskörper (d.h., die politische Instanz der SouverĂ€nitĂ€t, die durch Religion, Gesetz oder politische Strukturen verliehen wurde).â 4 Der Ausruf "Der König ist tot! Lang lebe der König!" â der ĂŒblicherweise den Französ:innen zugeschrieben wird: "Le roi est mort, vive le roi!" â bringt dieses Konzept auf den Punkt. Einerseits ist ein König â eine Person mit einem physischen, sterblichen Leib â gestorben. Doch andererseits ist der König â die Vorstellung eines Königs; die institutionellen Strukturen, die aus einem geografischen Zusammenhang ein KönigReich machen; und vielleicht der neue König (der Erbe, dem nach dem Tod seines VorgĂ€ngers automatisch dieses Königreich zuteil werden kann) â am Leben. Und möge er lange leben! Diese Aufteilung im Körper des SouverĂ€ns mag wie ein wunderliches Thema fĂŒr Mittelalter-Historiker:innen und andere Monarchie-Hungrige erscheinen, die sich fĂŒr royale Angelegenheiten interessieren. Allerdings nur, bis wir bemerken, dass die technologischen Funktionen von Körpern â insbesondere von Körpern mĂ€chtiger Menschen, wie beim Kutschenbildnis der Elizabeth II. â auch in unserer heutigen Welt wirken und vielerorts eine ĂŒbergroĂe Rolle spielen.â 5
SchlieĂlich wurden Hologramme in den letzten Jahren von Nachlassverwalter:innen groĂer Promis, PatentjĂ€ger:innen sowie Technologieunternehmen genutzt, um aus den Bildnissen von Toten Geld zu scheffeln. Das Hologramm von Tupac Shakur, das 2012 mit Dr. Dre und Snoop Dogg bei der Coachella auftrat, zog mediale Aufmerksamkeit auf sich und wurde kontrovers diskutiert â hinsichtlich der ethischen Infragestellung der bildhaften Wiederbelebung des legendĂ€ren Hiphop-Stars sowie der dafĂŒr genutzten Technologie. Tupac ist auf seiner Post-Mortem-Reise nicht allein. Unter anderem Whitney Houston, Elvis Presley, Amy Winehouse und Michael Jackson wurden schon als Hologramme wiederbelebt und ein jeder Fall warf moralische, ethische und rechtliche Fragen hinsichtlich der Nutzung solcher Technologien auf. Im Falle Tupacs erhielt das Spezial-Effekte-Unternehmen Digital Domain â von Regisseur James Cameron mitgegrĂŒndet und schon mit den Computeranimationen fĂŒr Filme wie Titanic, Der seltsame Fall des Benjamin Button und Marvels Avengers: Endgame betraut â einen nicht veröffentlichten sechsstelligen US-Dollar-Betrag, damit es den Effekt sicher auf die BĂŒhne brachte.â 6 Vielleicht ist es kein Zufall, dass Digital Domain bloĂ wenige Monate danach Insolvenz anmeldete. Die Visionen der Spekulation, die dem einen Kapital zuschachern, mĂŒssen es wohl einem anderen nehmen.â 7
Ein weiterer Toter, der als Hologramm wiederbelebt wurde, war â kaum ĂŒberraschend â der ehemalige US-PrĂ€sident (und zu dieser Geschichte passend: einstige Hollywood-Schauspieler) Ronald Reagan. Er ist ein solider Kandidat, Lieblingspolitiker unseres libertĂ€rsten Richards zu sein, und eine der drei BerĂŒhmtheiten in der Geschichte des Neoliberalismus. 2018 wurde ein Unternehmen namens HologramUSA von der Ronald Reagan Presidential Library in Kalifornien beauftragt, Ronald zum Leben zu erwecken; und sein Gespenst hat seither Ă€hnlich hart geackert wie sein Namenspatron Ronald und dessen politisches Programm in der ganzen Welt. HologramUSA â das muss ich anmerken â hat eine Webseite voller toter Stars, die das Unternehmen als die von ihm gemanagten "Talente" listet.â 8 Hier fallen besonders die Namen Schwarzer KĂŒnstler:innen wie Nat King Cole, Billie Holiday und Whitney Houston auf, da sie an die gewaltvolle rassistische Geschichte des Managements von KĂŒnstler:innen erinnern.â 9 Heute fĂŒhren Unternehmen, die sich mit Bildrechten befassen, diesen historischen Umgang der Kontrolle Schwarzer Körper mithilfe von Hologrammen fort. Nicht einmal ihr Tod setzt der Ausbeutung dieser Stars ein Ende.
Dass Reagan â ein weiterer Protagonist in der Geschichte der Ausbeutung â auf dieser Liste steht, betont einen Kurzschluss in der aktuellen Arena der Politik und öffentlichen Bilder: die Tatsache, dass in unserer Zeit alle Politiker:innen notwendigerweise auch Prominente sind (und andersherum, denn die meisten Prominenten machen auch Politik). Das war auch schon frĂŒher so. Imagepflege und Ăffentlichkeitsarbeit fĂŒr Politiker:innen sind so alt wie die Politik selbst. Im antiken Rom etwa mussten Bildnisse noch auf MĂŒnzen geprĂ€gt werden, sie waren der technische Pfeil im Köcher der Ăffentlichkeitsarbeit.â 10 Doch wie Walter Benjamin in seinen berĂŒhmten Thesen zur mechanischen Reproduzierbarkeit schon in den 1930er Jahren vorhersagte, funktioniert Politik heute durch Formen und ModalitĂ€ten der BerĂŒhmtheit.â 11 FĂŒr Benjamin hatte die Politik das Ritual als Grundlage fĂŒr das Funktionieren von Kunst abgelöst. Im Ergebnis steuerten wir auf eine gefĂ€hrliche Zeit zu, in der die Politik Ă€sthetisiert werden wĂŒrde. Von seinem Blick auf das nationalsozialistische Deutschland aus warnte Benjamin unheilverheiĂend: "Alle BemĂŒhungen um die Ăsthetisierung der Politik gipfeln in einem Punkt. Dieser eine Punkt ist der Krieg."â 12 Reagan und Elizabeth II. sind bloĂ zeitgenössische Beispiele dieser langwĂ€hrenden Entwicklungen. Doch sie sind durchaus interessant: eine lebendig (in ihrem Erscheinen als Hologramm â mittlerweile hat sich ja auch Elizabeth verabschiedet), der andere tot; sie war beinahe reglose Monarchin auf lebenslang, seine kurzzeitige Exekutivmacht prĂ€gte die USA und die Welt fĂŒr (mindestens) Jahrzehnte und quĂ€lt sie weiterhin. Was haben diese öffentlichen Figuren (als Wahrnehmungen) heute gemeinsam, wenn sie zu ReprĂ€sentationszwecken auf holografische Bildtechniken zurĂŒckgreifen?
Ich erlaube mir einen kurzen technischen Exkurs. Hologramme sind im Grunde Fotografien, die anhand von Lasern statt mit WeiĂlicht hergestellt werden. Sie verzeichnen einen Moment in Raum und Zeit, der dann reproduziert werden kann â oft mithilfe eines Laserstrahls â, um die Illusion einer 3D-Szene zu erzeugen.â 13 Der Begriff Hologramm wird sowohl fĂŒr den Prozess als auch fĂŒr das Produkt gebraucht und bezeichnet das gesamte Verfahren: von der Aufspaltung eines Laserstrahls in einen Referenz- und einen Objektstrahl ĂŒber seine Erfassung als Interferenzmuster bis hin zu seiner Darstellung. Hier werden aus einem Bild zwei gemacht: eine Referenz und eine Verschiebung. Diese technische Logik der fragmentierten Wirklichkeit steht vielleicht besser als alles andere fĂŒr eine Medientheorie des Hologramms. Hologramme sind in vielerlei Hinsicht Technologien, die die Wirklichkeit erweitern (Augmented Reality, AR). TatsĂ€chlich wird Microsofts HoloLens (2015) hĂ€ufig als AR-GerĂ€t der ersten Generation betrachtet und als Beispiel dieser Beziehung hochgehalten.â 14 Ein weiteres, vielleicht berĂŒhmteres Beispiel einer Technologie, die sich dieser etymologischen Verbindung bedient, ist bezeichnenderweise fiktional: der quasi-magische Erfahrungsgenerator Holodeck in der Fernsehserie Star Trek. Der Begriff holografisch als Adjektiv wird umgangssprachlich â ob es nun technologisch richtig ist oder nicht â oft fĂŒr eine breitere Reihe an PhĂ€nomenen gebraucht, die technisch keine Hologramme sind. Hologramme kommen seit 1988 als Echtheitskennzeichen auf Geldscheinen und Kreditkarten zum Einsatz. Doch in jĂŒngerer Zeit haben andere optisch variable Elemente (Optically Variable Devices, OVD) mancherorts ihren Platz eingenommen.â 15 Vom technologischen Garanten eines Kreditinstruments (der modernen Untereinheit unseres Finanzsystems) bis zur technologischen UnterstĂŒtzung von politischer BerĂŒhmtheit (und beides sind auf einer systemischen Ebene Versionen des jeweils anderen), operieren holografische Techniken als frĂŒheste technologisch vermittelte Werke der Illusion heute weitgehend unter dem Radar. Die langweiligen TrĂ€ume von virtuellen RealitĂ€ten sowie Facebooks Metaversum mögen bloĂ das andere dystopische Ende dieses Spektrums sein, das eine Wirklichkeit birgt, aus der oder in die wir uns zu flĂŒchten wĂŒnschen. Deshalb ist es erwĂ€hnenswert, dass die Bildnis-Illusion der Queen (ebenso wie jene von Tupac, Jackson und den anderen), die sich mithilfe der Versprechen einer jungen SouverĂ€nin um die winkenden HĂ€nde ihrer Untertanen bemĂŒht, technisch gar kein Hologramm war. Es handelte sich um einen sogenannten "Pepperâs Ghost", einen 1862 erfundenen Illusionstrick, der zuerst in Charles Dickens StĂŒck The Haunted Man and the Ghostâs Bargain aufgefĂŒhrt wurde.â 16 Pepperâs Ghosts erfordern eine weitere Zweiteilung: eine rĂ€umliche. Licht wird von verspiegeltem Glasâ 17 reflektiert und produziert gemeinsam mit einem vor dem Publikum verborgenen Leerraum eine Illusion, die vor dem Publikum eine 3D-Figur erscheinen lĂ€sst. Wenn Hologramme einfachere Versionen dessen sind, was heute als AR bezeichnet wird (und es könnte hier definitiv auch andersherum argumentiert werden), dann ist ein Pepperâs Ghost eine bedeutend einfachere Version eines Hologramms. All diese geschichteten Illusionen mĂŒssen symbolisch als eben das verstanden werden: Illusionen.
Letâs take the example of yet another famous hologram (again, one that is technically not a hologram but a Pepperâs Ghost), one that reached significantly more people than the jubilee carriage episode: that of Indian Prime Minister Narendra Modi during several election campaigns over the last decade or so.â 18 Modiâs holograms have simultaneously called on people in several regions of a giant, billion-peopled nation to vote for his political party (the right-wing Bharatiya Janata Party, BJP). Details are scarce, but Modi has been deploying this technology since (at least) the 2012 Gujarat Legislative Assembly elections.â 19 In 2014, when the national elections were underway, Modiâs 3D representation gave rousing speeches to thousands (perhaps tens of thousands) of Indian voters, again, all at once, in several different parts of the country. To be fair, this was perhaps done to ensure they earned a Guinness World Record â something that the global horde of uncles and wannabe dictators (often the same demographic these days) desperately desire â for âMost simultaneous broadcasts of the Pepperâs Ghost illusionâ.â 20 Modi used, incidentally, Musion, one of the companies involved in Tupacâs resurrection, further highlighting the global interconnectedness of technological players and political players in this weird theatre of image-making.
It is my contention that Narendra Modiâs use of holographic technologies â or, more accurately, nineteenth-century parlour tricks â for nationally deployed political illusions should be read as a marker of the ethos politicians such as Modi wish to cultivate: literally tricking their subjects into believing a certain image of the politician. So, while the dying monarch needed the veneer of youth to remind her subjects of the colonial times when she (and, by extension, they) had still ruled over half of Africa, Modi needs a parlour trick as evidence of the technologically advanced nation that he claims to have been building (towards) â evidence that is largely lacking outside of the trucks carted into Indian cities and villages to showcase his holograms. Colonial (in the case of Elizabeth II) and postcolonial (in the case of Modi) hopes, dreams, and lies are first and foremost constructed (and also enhanced) using these technological mediations, with India and the UK being joined in a common-wealth of deceit. Narendra Modi was, it must be remembered, in charge of Gujarat when that state saw a ferocious pogrom against Muslims in 2002, with nearly 2,000 dying at the hands of mobs that were state-tolerated, or worse, state-sanctioned.â 21 Modiâs stock sank to an all-time low and required several years of rebuilding before he could run for the post of Indian Prime Minister. A large part of that rebuilding came thanks to public relations campaigns that were carefully managed by international firms such as APCO Worldwide â a public relations firm specialising in, fittingly, crisis management â which doubles as a lobbying firm too.â 22 From national and international marketing campaigns that seek to convince investors, businesspeople, and laypersons of Narendra Modiâs technological and economic acumen, to drumming up support in American halls of power (after Modi had been denied a visitorâs visa to the US), firms such as APCO (and others including Soho Square, Ogilvy and Mather, and Madison World) are essential for the image-making of someone like Modi should he, or any other politician today, need the world to forget the past and embrace a new vision. The holographic apparatus does not just enable Modiâs 3D representation to act like a stand-in, giving speeches simultaneously across the country; rather, it itself stands in for the mutable political relationships between the sovereign and his subjects. In this case, a parliamentary democracy, where the prime minister is elected not in elections but post facto by the members of parliament, begins to function like a one-person executive system with Modi at its helm; hence the need for that one man to be everywhere all at once is a techno-logical need as much as it is a political aspiration of the BJP. And this is why the holographic image-formation using Pepperâs Ghost at a world record-breaking scale is an illusion that must be understood as an allegory for Modiâs other image-formation campaigns: the decades-long campaign to achieve his rehabilitation as well as his more recent PR drives such as âDigital Indiaâ, which sought investment to demonstrate how strong Indiaâs technology manufacturing and services sector were, and could become; how could a man whose body is literally constructed in rural India using such advanced (sic) technology be anything but a harbinger of a techno-optimist future heralded as Digital Indiaâą? The image-making inherent in politics today, via PR campaigns and coordinated international lobbying, runs through and with the operational image-makingâ 23 inherent in media technologies; together, they form a tight network, each the mirror image of the other, co-constructing a new immortal sovereign body.
Hologramme sind insofern eine seltsame Technologie, als dass sie â anders als Fotografien â den aufgezeichneten Moment nicht in jeder rĂ€umlichen Anordnung der Aufnahme erschlieĂen. Wenn wir ein Hologramm zerschneiden, zerschneiden wir nicht das Bild; denn jedes holografische Fragment ist eine Ăberlagerung des Ganzen. Jedes Fragment zeigt das gesamte Bild aus einem anderen Blickwinkel und nicht einen anderen Abschnitt des Bildes wie bei einem Fotofilm. Zumindest lautet so die Argumentation in der ersten veröffentlichten Kurzgeschichte des Science-Fiction-Autors William Gibson, Fragments of a Hologram Rose (1977). Die Geschichte spielt in einer dystopischen Cyberpunk-Zukunft, die von Schuldknechtschaft geschaffen und von der erweiterten Wirklichkeit einer Technologie namens Apparent Sensory Perception (einer "tĂ€uschend echte[n] Sinneswahrnehmung") geprĂ€gt ist, die Ablenkung von einer kaputten ĂŒberkapitalistischen Welt und einem globalen militĂ€rischen Konflikt bieten soll. Der Protagonist (Parker) findet ein zerbrochenes Hologramm, das ihn an eine Person erinnert, die er einmal geliebt hat. "So ist das mit Hologrammen: Holt man die Fragmente zurĂŒck und beleuchtet sie, zeigt jedes einzelne das ganze Bild der Rose."â 24 Als Parker grĂŒbelt, was es bedeutet, die "Lascaux-Gutenberg-Tradition einer prĂ€holographischen Gesellschaft" zu erleben, in der du noch nicht die Wahrnehmung einer anderen Person erfahren konntest, fragt er sich: "Wir alle sind Fragmente, Bestandteile voneinander, und: Ist das immer so gewesen?"
Wenn "jedes Fragment die Rose aus einem anderen Blickwinkel zeigt", dann können wir uns fragen, was diese Allegorie der visuellen technologischen Vermittlung durch Holografie uns in einer kaputten Welt zu sagen hat â uns, als Subjekten, die mit einem Bein noch fest in der vorholografischen Tradition stehen. Wenn einer der zwei Körper der Queen â oder von Modi oder auch seinem tĂŒrkischen Pendant ErdoÄanâ 25 â heute aus holografie-Ă€hnlichen Illusionen besteht, dann können wir sicher sagen, dass dieser Körper nur funktioniert, indem der andere, physische Körper in den anderen Bereich der Bildnis- und Imagepflege verbannt wird: in die Ăffentlichkeitsarbeit. WĂ€hrend in dieser Ăra des SpĂ€tkapitalismus Fiktionen zu Fakten werden, finden wir uns dabei wieder, sorgfĂ€ltig die vielen konservierten Körper (leibliche wie unternehmerische) und konstruierten Bilder (öffentliche wie technologische) zu sichten, die es von jenen an der Macht und um die Macht herum gibt. Was wir sehen, sind Fragmente, jedes Mal ein anderer Blickwinkel. Doch es war noch nie notwendiger, mehr zu wissen und zu empfinden, als unser Sehen wahrnehmen kann.
Der Autor dankt Jacob Hagelberg, Sahana Srinivasan, Elise Misao Hunchuck, Nora O MurchĂș, Anna-Lena Panter, Pip Hare, Jen Theodor und dem gesamten Team der transmediale fĂŒr die UnterstĂŒtzung und Veröffentlichung dieses Textes.
Der Text wurde erstmals im Januar 2023 online von transmediale sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch als Teil des transmediale Journals veröffentlicht. Mit editorischer Betreuung von Elise Misao Hunchuck.
- 1 Das Platinum Jubilee Central Weekend (2. - 5. Juni 2022) war eine Feierlichkeit zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung von Elisabeth II. (am 6. Februar 1952). Sie war das erste britische Monarchieoberhaupt, das dieses JubilÀum feiern konnte.
- 2 Elizabeth II (Elizabeth Alexandra Mary; 21 April 1926 - 8 September 2022).
- 3 Auseinandersetzungen mit der Frage der Vertretung finden sich bei: D. Mulvin, Proxies: The Cultural Work of Standing In, Cambridge, MA, MIT Press, 2021; W. H. K. Chun, Discriminating Data: Correlation, Neighborhoods, and the New Politics of Recognition, Cambridge, MA, MIT Press, 2021; B. Geoghegan, "Administrative Detours-in-Being: Roman Catholic Political Form and German Media Theory", öffentliche Vorlesung, University of Notre Dame, 13. April 2022. FĂŒr ein Beispiel der Pressereaktionen, siehe: The Guardian http://www.theguardian.com/uk-news/video/2022/jun/05/queen-elizabeth-appears-as-hologram-inside-260-year-old-golden-carriage-video?CMP=twt_gu â Echobox=1654443498.
- 4 Ernst H. Kantorowicz. Die zwei Körper des Königs â Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, aus dem Amerikanischen von Walter Theimer, MĂŒnchen, Deutscher Taschenbuchverlag, 1990(1957).
- 5 Der französische Denker Michel Foucault hat mithilfe dieser Analytik den Körper der Verdammten besprochen. Prominente und Unternehmenskörper können durch eine Ă€hnliche Linse analysiert werden, ebenso wie die Bilder von Sportler:innen und ihre ReprĂ€sentationen; oder auch religiöse Galionsfiguren; um nur ein paar Beispiele zu nennen. Weitere finden sich bei: F. W. Maitland, "Crown as Corporation", Law Quarterly Review, Nr. 17, 1901, S. 131â146; M. Foucault, Ăberwachen und Strafen â Die Geburt des GefĂ€ngnisses, aus dem Französischen von Walter Seitter, Frankfurt, Suhrkamp, 1976(1975); M. P. Marks und Z. M. Fischer, "The Kingâs New Bodies: Simulating Consent in the Age of Celebrity", New Political Science, Band 24, Nr. 3, 2002, S. 371â394; R. S. Dhaliwal, "Playing with Oneself: Six Notes on Fantasies and Frustrations of Famous Footballers", in R. Guins, H. Lowood und C. Wing (Hg.), EA Sports FIFA: Feeling the Game, New York, Bloomsbury Academic, 2022, S. 145â160; Agostino Paravicini Bagliani, Der Leib des Papstes, aus dem Italienischen von Ansgar Wildermann, MĂŒnchen, C.H. Beck, 1997(1994).
- 6 Es waren weitere vertraglich und durch Lizenzfragen eingebundene Unternehmen beteiligt. Weitere Informationen unter: (https://www.forbes.com/sites/crime/2012/05/10/digital-domain-cashes-in-on-hologram-tupac/?sh=58f0d9f47d45 ); (https://www.ebony.com/tupac-hologram-cost-100k-400k )
- 7
- 8
- 9 Siehe beispielsweise: G. Horne, Jazz and Justice: Racism and the Political Economy of the Music, New York, NYU Press, 2019.
- 10 FĂŒr eine wunderbare dokumentarische Designgeschichte, die sich mit MĂŒnzen und Bildern befasst, siehe: C. Lee, Immutable: Designing History, Eindhoven, Onomatopee/Library Stack, 2022. Siehe auch: H. A. Innis, Empire and Communications, Victoria, Press PorcĂ©pic, 1986.
- 11 W. Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1963. (UrsprĂŒnglich auf Französisch erschienen in: Zeitschrift fĂŒr Sozialforschung, Jg. 5, 1936.)
- 12 Benjamin, S. 42.
- 13 Unter anderem Sean F. Johnston hat die kulturelle und technische Geschichte dieses Prozesses umfassend untersucht. Siehe beispielsweise: S. F. Johnston, "Attributing Scientific and Technological Progress: The Case of Holography", History and Technology, Band 21, Nr. 4, Dezember 2005, S. 367â392; S. F. Johnston, "A Cultural History of the Hologram", Leonardo, Band 41, Nr. 3, 2008, S. 223â229. Siehe auch Jens Schröter's work on this topic. For example, J. Schröter, 'Holographic Knowledge and Non-Reproducibility', MediArXiv, March 27 2019, https://doi.org/10.33767/osf.io/9zbe5 .
- 14
- 15 (https://www.gi-de.com/en/payment/cash/banknote-security-technology/insights-banknote-security-technology/30-years-holograms-on-banknotes ). Siehe auch: S. GieĂmann, "Money, Credit, and Digital Payment 1971/2014: From the Credit Card to Apple Pay", Administration & Society, Band 50, Nr. 9, 2018, S. 1259â1279.
- 16 J. H. Pepper, The True History of the Ghost: And All about Metempsychosis, London, Cassell & Co, 1890; J. Steinmeyer, The Science Behind the Ghost: A Brief History of Pepperâs Ghost, The Victorian Theatrical Sensation, Burbank, Hahne, 2013.
- 17 Heute wird als verspiegeltes Glas meist das allgegenwĂ€rtige Plexiglas verwendet. FĂŒr eine Kulturgeschichte von Plexiglas, siehe: S. Mattern, "Purity and Security", Places Journal, Dezember 2020.
- 18
- 19 https://web.archive.org/web/20140406081655/http://www.hindustantimes.com/india-news/modi-s-3d-speeches-during-2012-polls-enter-guiness-book/article1-1026512.aspx ; www.theverge.com/2014/5/7/5691714/indian-politician-uses-holograms-to-reach-voters . See also, C. Jaffrelot, âNarendra Modi and the power of television in Gujaratâ, Television & New Media 16, no. 4, 2015, pp. 346-353.
- 20
- 21 A. Basu, Hindutva as Political Monotheism, Durham, Duke University Press, 2020; A. D. Needham and R. S. Rajan (eds.), The Crisis of Secularism in India, Durham, Duke University Press, 2007. Also interesting is Modiâs obsession with statues and his recent promotion of hologram statues as stand-ins for actual statues promised in the future. See K. Jain, Gods in the Time of Democracy, Durham, Duke University Press, 2021; www.thehindu.com/news/national/prime-minister-narendra-modi-unveils-hologram-statue-of-netaji-subash-chandra-bose-at-india-gate-on-january-23-2022/article38314481.ece
- 22 V. K. Jose, âThe Emperor Uncrowned: The rise of Narendra Modiâ, The Caravan, 1 March 2012, https://caravanmagazine.in/reportage/emperor-uncrowned-narendra-modi-profile ; D. Filkins, âBlood and Soil in Narendra Modiâs Indiaâ, New Yorker, 2 December 2019, www.newyorker.com/magazine/2019/12/09/blood-and-soil-in-narendra-modis-india ; https://economictimes.indiatimes.com/news/company/corporate-trends/how-an-american-lobbying-company-apco-worldwide-markets-narendra-modi-to-the-world/articleshow/17537402.cms . See also J. Pal et al., âTwitter and the Rebranding of Narendra Modiâ, Economic and Political Weekly, vol. 51, no. 8, February 2016, pp. 52â60.
- 23 J. Parikka, Operational Images: From the Visual to the Invisual, Minneapolis, University of Minnesota Press, forthcoming July 2023; H. Farocki, âPhantom Imagesâ, trans. Brian Poole, in Public, no. 29, 2004, pp. 12â22.
- 24 W. Gibson, "Fragmente einer Hologramm-Rose", aus dem Amerikanischen von Peter Robert und Reinhard Heinz, E-Only, Heyne Verlag. Online verfĂŒgbar: (https://diezukunft.de/story/buch/fragmente-einer-hologramm-rose# ). Erstveröffentlichung in: ders. Unearth, 1977.
- 25 M. Ford, "Giant Hologram of Turkish prime minister delivers speech. Welcome to 21st-century politics", The Atlantic, 27. Januar 2014. (https://www.theatlantic.com/international/archive/2014/01/giant-hologram-of-turkish-prime-minister-delivers-speech/283374/ ). Auch der linke französische Politiker Jean-Luc MĂ©lenchon hat schon von dieser Technologie Gebrauch gemacht. Die technologische Zukunft, die nationalstaatliche Politiker:innen sich heute erhoffen und die sie versprechen, genieĂt fĂŒr eine stagnierende Imperialmacht wie Frankreich eine ebenso spekulative PrioritĂ€t wie fĂŒr einen postkolonialen Staat wie Indien. Denn spĂ€tkapitalistische Schwierigkeiten umgeben uns alle, wenn auch nicht in gleichem MaĂe. Siehe: (www.radiofrance.fr/franceculture/podcasts/la-vie-numerique/l-hologramme-de-melenchon-et-surgit-un-fantome-9620584 ).

