VideoFest '94
7․ VideoFest
Venues: Podewil
Date: 10.02 – 20.02.1994
Organisation: Mediopolis Berlin e.V.

Das VideoFest im siebten Jahr, das landläufig als das „verflixte“ gilt – keineswegs beim VideoFest.

Die Berührung von Video und Fernsehen waren immer wichtiger geworden. Das Programm zeigte ungewöhnliche Fernsehproduktionen sowie Bänder, die sich kritisch am großen Medium gerieben haben.

Vorwort zum Festivalkatalog

VideoFest im siebten Jahr, das landläufig als das "verflixte" gilt - für uns keineswegs. Aus über 1300 eingereichten Videos aus 41 Ländern haben wir das diesjährige Programm zusammengestellt - das Hauptprogramm in der gewohnten Qualität mit den besten Arbeiten der letzten beiden Jahre; unverändert auch der Anspruch des Nightflights, Videos für den besonderen Geschmack anzubieten.

Das Programm Akzente haben wir zur besseren Übersetzbarkeit umgetauft in Focus - wir konzentrieren den Blick auf einzelne Bereiche, Länder oder Personen der Videokultur, mit einer Neuerung: Wir werden - neben der Präsentation von Videos - der Information durch und dem Gespräch mit Fachleuten mehr Raum widmen als bisher. Unsere Aufmerksamkeit gilt '94 besonders der Situation in Osteuropa, Lateinamerika und Spanien.

Bei unserer neuen Reihe Spot wird das Wort im Vordergrund stehen: Reflexion und Diskurs der medialen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen Video steht. In diesem Jahr führen wir hier den Ansatz von TVideo (siehe VideoFest 1991) fort - wir fragen nach den Schnittstellen von Video und Fernsehen. Seinerzeit ging es darum, mehr Videokunst ins Fernsehen zu bringen, eine Fragestellung, die diesmal nur marginal interessiert. Wichtiger sind uns Auseinandersetzungen um TV-Design und Fernsehkunst - wir erwarten zwölf Experten aus sechs Ländern.

Die Berührung von Video und Fernsehen ist uns von Jahr zu Jahr wichtiger geworden: Schon immer haben wir ungewöhnliche Fernsehproduktionen vorgestellt sowie Bänder, die sich kritisch am großen Medium gerieben haben. In diesem Jahr haben wir zwei Autoren eingeladen, die ausschließlich für das Fernsehen arbeiten: Gert Monheim vom WDR, den wir für einen der mutigsten und engagiertesten deutschen Fernsehjournalisten halten, und Stefaan Decostere von BRTN (Belgien), der sich - ein ungewöhnliches Attribut - nur als Fernsehkünstler bezeichnen läßt. Mit diesem Programm und mit der Reihe Spot wollen wir zeigen, wie lebendig und kreativ Fernsehen auch angesichts des Siegeszugs des Ratings sein kann.

Spannend wird in diesem Zusammenhang sicherlich die Retrospektive zur deutschen Videogeschichte: Die Entwicklung der elektronischen Kunst von den Anfängen bis heute, die Phase der Politvideos ("Gegenöffentlichkeit"), der Weg der Macherinnen, die inzwischen teilweise für's Fernsehen arbeiten. Einen der Pioniere stellen wir etwas ausführlicher vor: Den Berliner Gerd Conradt.

Eine Sonderschau bietet das Berliner Zimmer: Hier finden sich ausgewählte Bänder von etwa 50 Berliner Videoschaffenden in einer Präsenzvideothek - die Zuschauer können sich ihr eigenes Programm zusammenstellen. Noch einmal Stichwort Berlin: Die DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie) erläutert ihre Ausbildung in Sachen Video und zeigt Bänder aus ihrer Geschichte sowie neue Nachwuchsarbeiten. Und die HdK (Flochschule der Künste), in deren Fachbereich 4 u.a, Maria Vedder die Videoausbildung realisiert, präsentiert ebenfalls Ausbildungsgang und Neues vom Nachwuchs.

Erstmals werden die Videoinstallationen am Festivalort zu sehen sein. Künstler aus Kroatien, Deutschland, Flolland und den USA stellen die Integration des Mediums in die bildende Kunst vor. Außerdem ist es uns wiederum gelungen, ein besonderes Werk in der Galerie am Pariser Platz einzurichten: Die Künstlergruppe TODT (USA) zeigt dort eine Multimedia-Installation.

Wie jedes Jahr also viel Video auf dem VideoFest.

Ein paar Neuigkeiten in eigener Sache: Das Programmteam wurde um Bea Wölfling vom Kino Babylon Mitte erweitert; die zu vergebenden Preise sind inzwischen durch Sponsorenleistungen auf 37.000 DM angestiegen; Premiere zeigt im März prämierte Bänder; der Berliner Regionalsender IA berichtet täglich mehr als eine Stunde vom VideoFest; der NDR sendet am 27.2. zum vierten Mal in Folge einen Report, und arte strahlt am 10.2. einen dreieinhalbstündigen Themenabend über Video aus - produziert von Mediopolis (vormals MedienOperative).

Die MedienOperative trägt seit Dezember 1993 den neuen Namen Mediopolis. Der 1977 gegründete Verein hat mit der Entwicklung der Videotechnologie und der gewandelten Wahrnehmung und Bedeutung des Mediums Video seine Ziele und Aktivitäten erweitert. Der neue Name Mediopolis steht für die verstärkte und gewandelte Vereinskultur, u.a.: Die Produktion von anspruchsvollen Videos für Fernsehanstalten und andere Institutionen hat zugenommen. Das VideoFest ist aus der Landschaft der internationalen Festivals nicht mehr wegzudenken. Die VideoFestTour (eine Auswahl aus dem jährlichen Programm) tourte in den letzten Jahren durch zwölf Länder, u.a. Argentinien, Brasilien, GUS, Italien, USA. Die wöchentliche Videovorführung an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz geschieht in enger Kooperation mit uns. Demnächst werden VideoFest/Mediopolis eine monatliche Videosendung für das Fernsehen gestalten. Soviel in eigener Sache. Wir wünschen unseren Besuchern Spaß, Nachdenklichkeit und Irritation - also die bewährte VideoFest-Mischung.

Micky Kwella, VideoFest & Hartmut Horst, Mediopolis

Programmübersicht

Das Hauptprogramm in der gewohnten Qualität mit den besten Arbeiten der letzten beiden Jahre; unverändert auch der Anspruch des Nightflights, Videos für den besonderen Geschmack anzubieten. Das Programm Akzente haben wir zur besseren Übersetzbarkeit umgetauft in Focus - wir konzentrieren den Blick auf einzelne Bereiche, Länder oder Personen der Videokultur, mit einer Neuerung: Wir werden - neben der Präsentation von Videos - der Information durch und dem Gespräch mit Fachleuten mehr Raum widmen als bisher. Unsere Aufmerksamkeit gilt '94 besonders der Situation in Osteuropa, Lateinamerika und Spanien. Bei unserer neuen Reihe Spot wird das Wort im Vordergrund stehen: Reflexion und Diskurs der medialen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen Video steht, In diesem Jahr führen wir hier den Ansatz von TVideo (siehe VideoFest 1991) fort - wir fragen nach den Schnittstellen von Video und Fernsehen. Spannend wird in diesem Zusammenhang sicherlich die Retrospektive zur deutschen Videogeschichte: Die Entwicklung der elektronischen Kunst von den Anfängen bis heute, die Phase der Politvideos ("Gegenöffentlichkeit"), der Weg der Macherinnen, die inzwischen teilweise für's Fernsehen arbeiten.

  1. jst bcs ur paranoid dnt thnk thyr nt aftr y, X-PRS, 1994

    VideoFest 1994 catalogue scan 1

  2. Frozen Images, Sanja Ivekovic, 1994

    VideoFest 1994 catalogue scan 2

  3. Handshake, LUX LOGIS, 1994

    videofest 1994 catalog scan of computer installation

preis

VideoFest-Preise

Hauptpreis von DM 4.000 für eine herausragende Produktion, die die elektronischen Möglichkeiten von Video kongenial nutzt. Zwei besondere Anerkennungen von je DM 1.500 für Videos, die sich durch ihre Kreativität und Originalität auszeichnen. Die Preise werden vom Auswahlkommittee des VideoFests vergeben.

PREMIERE-Preis

Der Fernsehsender PREMIERE vergibt einen Preis von DM 5.000 für eine herausragende kurze künstlerische Arbeit und kauft die Senderechte für insgesamt 6 Bänder, die als VideoFestSendung am 2. März ausgestrahlt werden.

KOPP-Film-Preis

Der Preisträger des letzten Jahres Radek Pilar (Yes, No, Yes...) ist tragischerweise 1993 verstorben. Das Berliner Studio lobt daher den Preis von 1993 erneut aus - 1 Woche Postproduktion (Betacam) im Wert von DM 10.000

IA-Videopreis

IA - Neues Fernsehen für Berlin - Brandenburg stiftet erstmals den IA-Videopreis für zwei Produktionen aus den Sparten Experimentelle Videokunst, Dokumentation sowie einen Publikumspreis von je DM 5.000,

Festivalpublikationen

Der Festivalkatalog enthält umfassende Informationen zu allen im Rahmen des VideoFest '94 gezeigten Film- und Videoarbeiten. Mit Hilfe des enthaltenen Programmplans lässt sich die komplette Festivalstruktur rekonstruieren.

Team

Mediopolis Berlin e.V. Veranstalter, Hartmut Horst Vorstand, Micky Kwella Leiter, Johannes Lenz-Hawliczek Organisatorische Leitung, Rudolf Frieling, Knut Gerwers, Bea Wölfling, Micky Kwella Programm, Rudolf Frieling Videoinstallationen/Presse, Ellen Bickmeier, Imke Schwärzler, Kerstin Rautenberg Büro, Sonja Becking, Ate Fischer, Geli Wieland Assistenz, Klaus Meier EDV, Matthias Behrens (responsible), Hannes Ickert, Peter Stricker Technik, Eva Resch Festivaldurchführung, Kerstin Rautenberg Counter, Armgard Meyer Counter, Margit Eberlein, Jan Jaksiewicz, Ole Klingemann, Bodo Müller, Martina Müller, Andrea Nienhuisen, Josef Plank, Michael Rusert, Nicolai von Schweder-Schreiner, Philip Wiechert Festivalmitarbeiter, Raimund Schlie Koordination Podewil, Andreas Keßler Technik Podewil.

Support & Sponsoren

235 Media; Air Liquide; Akademie der Künste; Amerika Haus; Berliner Filmfestspiele; Botschaft der USA, Carl Solway Gallery; Contributed Software; Danish Film Institute Workshop; Esotronic European Media Art Festival; Foro Artistico, Eisfabrik; Goethe-Institut (Buenos Aires, Montevideo, Moskau, San Juan); internationales forum des jungen films; JVC Professional; Kaufhof; media base; Mediopolis Berlin e.V.; Neuer Berliner Kunstverein; Sanyo; Senator für kulturelle Angelegenheiten Berlin; Sound&Drumland; timebandits; Trimaran; VEROsonic; Video International; Video Vision; VIDEOVox; Videofest Kassel; Volksbühne Berlin; Westdeutscher Rundfunk; WRO Open Studio

Participants