VideoFest '92
5  VideoFest
Venues: Akademie der KĂŒnste, MedienOperativ
Date: 13.02 – 24.02.1992
Organisation: MedienOperative

Sperrig, intelligent, unbequem, unterhaltsam

Auch das VideoFest ‘92 hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklung der internationalen Videokultur zu spiegeln und den Reichtum all ihrer Genres zu reprĂ€sentieren – sei es bei Produktionen, Skulpturen oder grenzĂŒberschreitenden Bereichen wie interaktiven Medien oder Computeranimation.

Vorwort zum Festivalkatalog

FĂŒnf Jahre VideoFest – ein kleines JubilĂ€um und Anlaß fĂŒr eine Bilanz.
Videokultur ist jung, ihr Anfang lĂ€ĂŸt sich anhand der Arbeiten von Nam June Paik auf 1963 datieren. Anders als Film ist Video bis heute (und vermutlich auch in Zukunft) nicht von einer Aura umgeben, anders als Fernsehen stellt es kein Massenmedium dar.
Gleichwohl ist die Bedeutung von Video unĂŒbersehbar: Es hat seinen Anspruch vom unabhĂ€ngigen Produzententum weitgehend gewahrt, zum ersten Mal einen wirklich demokratischen Zugang zu einem audiovisuellen Medium geschaffen – und ist aufgrund beider Faktoren eine Spielwiese im besten Sinne des Wortes fĂŒr kreatives, visuelles Schaffen geworden. Video hat die Funktion des kurzen, des experimentellen Films fast vollstĂ€ndig ĂŒbernommen und liefert darĂŒberhinaus schöpferische Impulse fĂŒr die anderen Medien. Und hat dennoch seine EigenstĂ€ndigkeit behalten. Es war und ist Anspruch der MedienOperative, mit dem VideoFest die Entwicklung der internationalen Videokultur zu spiegeln, den Reichtum all ihrer Genres zu reprĂ€sentieren – sei es bei Produktionen, bei Skulpturen oder bei grenzĂŒberschreitenden Bereichen wie interaktiven Medien oder Computeranimation.
Dies scheint gelungen, wie der von Jahr zu Jahr wachsende Zuspruch von Publikum, Fachleuten und Medien dokumentiert – ebenso wie die steigende Zahl von Anmeldungen zur Teilnahme. Unsere Ausschreibung geht mittlerweile in 60 LĂ€nder aller Kontinente.
Das VideoFest ist zu einem internationalen Treffpunkt von Videoschaffenden geworden, auf dem nicht nur ein vielschichtiges Programm geboten wird, sondern auf dem ebenso Tagungen, Konferenzen und ein kommerzieller Videomarkt fĂŒr die Independents stattfinden.
Immer hÀufiger werden Vertreter des VideoFests ins Ausland eingeladen, um dort mit Ausschnitten des VF-Programms den Stand der internationalen Videokultur vorzustellen. Das VideoFest ist an verschiedenen europÀischen Initiativen zur Förderung von Videokultur beteiligt, ebenso an Berliner Initiativen zur Verbreitung des jungen Mediums.
In nur fĂŒnf Jahren ist das VideoFest zu einer Institution geworden. Vor noch einem Jahr drohte der Kollaps, denn wegen der chronischen Unterfinanzierung wollten und konnten sowohl die MedienOperative wie auch die Mitarbeiter des VideoFests das Festival nicht ĂŒber 1991 hinaus fortfĂŒhren.
Der Berliner Kultursenator Roloff-Momin hat jedoch die Bedeutung des VideoFests fĂŒr Berlin erkannt und hat, trotz der angespannten finanziellen Situation der Stadt, das Festival nach KrĂ€ften gefördert.
Dennoch reichen die Mittel des Senats und die, die wir ĂŒber andere Förderer zusĂ€tzlich auftreiben, nicht aus, um ein Festival der elektronischen Medien zu veranstalten, das einer Metropole angemessen wĂ€re. Doch wir sind arbeitsfĂ€hig geworden.

Das Programm ‘92: SchwerpunktmĂ€ĂŸig sind die USA und Osteuropa stark vertreten, Frankreich tritt als “Videoland” immer mehr in den Vordergrund, und so ist es naheliegend, daß der diesjĂ€hrige “Artist in Residence” zum ersten Mal ein Franzose ist: der in seinem Schaffen ĂŒberaus facettenreiche Jean-Louis Le Tacon.
Mehr als in frĂŒheren Jahren werden namhafte Videoschaffende persönlich Arbeiten von sich vorstellen: Jeanne C. Finley (USA), Alexander Hahn (CH/USA), Joan Jonas (USA), Fabrizio Plessi (I), Shelly Silver (USA), außerdem Videoschaffende aus Osteuropa, Lateinamerika und verschiedenen mitteleuropĂ€ischen LĂ€ndern.
Das Programm ‘92 ist wohl vielschichtiger als alle bisherigen VideoFest-Programme: Es ist sperrig, intelligent, unbequem, unterhaltsam, geprĂ€gt von einem kreativen Umgang mit elektronischen Mitteln.
Und das, obwohl das vergangene Jahr – international gesehenein etwas mageres Videojahr war. Es wurde weniger als sonst produziert, und hĂ€ufig nicht mehr als Mittelmaß. Wenn das diesjĂ€hrige Programm dennoch von hoher QualitĂ€t ist, so liegt dies am rapide gewachsenen Bekanntheitsgrad des VideoFests und an unseren umfangreichen Kontakten in aller Welt. Wir danken allen Förderern des VideoFests und wĂŒnschen unseren GĂ€sten und Besuchern zwölf spannende Tage.

Hartmut Horst, Micky Kwella. MedienOperative/VideoFest

ProgrammĂŒbersicht

VideoFest ‘92 war wie die vorherigen Ausgaben des Festivals in verschiedene Sektionen unterteilt: Akzente (Sonderprogramme mit Schwerpunkt auf Diskurs), Hauptprogramm, Inforeihe, Sonderprogramme (zu aktuellen Themen) und Nightflight, die Nonstop-Videoshow mit einer Auswahl von VorfĂŒhrungen durch die VorfĂŒhrer. Zum zweiten Mal veranstaltete das VideoFest einen Markt, an dem Verleiher und Institutionen teilnahmen.

  1. Mantron (Monoton) The Tokyo Tape

    Konrad Becker, 1991

  2. Das Kino und der Wind und die Photographie

    Hartmut Bitomsky, 1991

  3. Dirt Site, Alexander Hahn, 1990

    videofest 1992 catalogue scan

Preise

Premiere, Deutschlands Pay-TV-Sender, gab erstmals bekannt, dass er Preise fĂŒr das 5. VideoFest in Berlin sponsert. Eine von Premiere einberufene Jury wĂ€hlte fĂŒnf VideokunstbeitrĂ€ge aus, die in Berlin mit einem Premiere-Preis ausgezeichnet werden. Ein weiterer Beitrag erhĂ€lt einen Sonderpreis.

Festivalpublikationen

Dazu zĂ€hlte das VideoFest ‘92 Produktionen, Skulpturen oder grenzĂŒberschreitenden Bereichen wie interaktiven Medien oder Computeranimation. Der Festivalkatalog enthĂ€lt umfassende Informationen zu allen im Rahmen des VideoFest '91 gezeigten Film- und Videoarbeiten. Mit Hilfe des enthaltenen Programmplans lĂ€sst sich die komplette Festivalstruktur rekonstruieren.

Team

Micky Kwella Artistic Direction, Jaimi StĂŒber Organization, Micky Kwella, Knut Gerwers Program, Jean-Louis Le Tacon Artist in Residence, Burghard Drachsel Support, Rudolf Frieling Installations and Press, Hartmut Horst, Maria Pecha Business Management, Ulrike Barnusch, Jan Jaksiewiecz, Eva Resch Office Management

Support

Gefördert durch: Senatsverwaltung fĂŒr kulturelle Angelegenheiten, Berlin

Support: Alan McCluskey, Info Service, Genf; AuswÀrtiges Amt; Centro Videoarte Ferrara; Deutsches Hygiene-Museum, Martin Roth; Electronic Arts Intermix, New York; European Media Art Festival, Heiko Daxl; Französische Botschaft; GATE; Heure Exquise, Mons en Baroeul; internationales forum des jungen films; Italienische Botschaft, Bonn; JVC Professional Production; The Kitchen, New York; Kulturamt der Stadt Ferrara; Kunstfonds e.V., Bonn; London Video Access, Michael Maziere; Pandasoft; Philip Morris Light American Cigarettes; PIK; Pioneer, The Art of Entertainment; VIDEO: Sehen was spass macht!; Video Data Bank, Chicago, Mindy Faber; VideoVox; Wegert-AV; Werner Audio; zitty

Participants