Reis ist eine von hunderten Nutzpflanzen, die im Central Valley wachsen, der wichtigsten Region der milliardenschwerden agrartechnischen Industrie in Kalifornien. Seit Reis hier in den frühen 1900er Jahren erstmals in Versuchsstationen angebaut wurde, wurden die Reisfelder im Central Valley intensiv mechanisiert und Teil der kommerziellen Lebensmittelindustrie. Wir können diese Verschiebung als Vernichtung artenübergreifender Biotope analysieren und kritisieren, die einem modernistischen Raster weichen mussten, das den wenigsten Gewinn beschert und dem Rest zum Verhängnis wird. Doch die Sache ist ein bisschen komplizierter. Seit den 1990er Jahren sind diese Reisfelder zu Ersatzhabitaten für Zugwasservögel geworden, die alljährlich zwischen Nord- und Südamerika wandern. Anders ausgedrückt: Private Farmen dienen jetzt als letzte verbleibende Feuchtgebiete im Central Valley. Wie ist es dazu gekommen und wie funktionieren sie? Ist das abzulehnen oder zu unterstützen?
Indem wir uns mit kalifornischem Reis beschäftigen, soll dieser Vortrag den Begriff des Kompromisses auf mindestens zwei Weisen beleuchten: Erstens sind Reisfelder kompromittierte Landschaften, die aus mehreren verknüpften Geschichten und gewaltvollen Vernichtungen hervorgegangen sind, um zu bestehen. Zweitens hängt ihre Zukunft eher von einer Anpassungs- und Kompromissfähigkeit mit mehr-als-menschlichen Infrastrukturen und Wirkmächten ab als von einer zunehmenden technisch-wissenschaftlichen Kontrolle. Da Dürren und Flächenbrände immer stärker und häufiger auftreten, könnten dies bald die letzten Reisfelder Kaliforniens sein.
