Susan Sontags Essay Das Leiden anderer betrachten (2003) hinterfragt die verbreitete Annahme, dass Bilder von Leid und Gewalt automatisch Mitgefühl erzeugen und zu politischer Reaktion oder gar Handlung motivieren. Über zwanzig Jahre nach seiner Entstehung liest sich der Text wie seiner eigenen Zeit voraus; als Analyse einer Welt, die Sontag selbst noch nicht kannte. Im Austausch um die kritischen Potenziale sowie die Verfehlungen von Empathie sind Alona Karavai und Vanessa Oberin.
Die Gesprächsreihe conversation pieces nimmt Technologien des Alltags zum Ausgangspunkt und situiert diese im Kontext des Schwimmbads. Jede Ausgabe geht von einem Text aus, der den thematischen Rahmen bildet und als gemeinsamer Bezugspunkt dient.
Alona Karavai ist Kulturmanagerin und Kuratorin aus der Ukraine. Sie ist Mitbegründerin des Projektraums Asortymentna Kimnata in Iwano-Frankiwsk sowie des Kunstmediums post impreza. Sie arbeitete im Zentrum für zeitgenössische Kunst Izolyatsia, als dieses noch in Donezk ansässig war, bis sie zur Flucht gezwungen wurde. Nach dem erzwungenen Ortswechsel gründete sie mehrere künstlerische Initiativen mit, darunter die School of Contemporary Art fra fra fra, die sich mit Notfall-Residenzen sowie Programmen für geflüchtete Künstlerinnen und Künstlerinnen mit Kriegserfahrung in der Ukraine befasst. Sie lebt in Kyjiw und arbeitet zu den Themen Peripherie, Abwesenheit sowie Vitalität und Tod.
Vanessa Oberin ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin und arbeitet als Dozentin und freie Autorin in Berlin. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich von Körper-, Sinnes- und Affekttheorien, Medienästhetik sowie Gegenwartskunst. Von 2018 bis 2023 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungskolleg „Sensing: Zum Wissen sensibler Medien“ am Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) in Potsdam. Seit 2024 lehrt sie im Studiengang der Europäischen Medienwissenschaft der FH und Universität Potsdam. Aktuell beendet sie ihr Promotionsprojekt Kunst des Hineinversetzens: Ambivalenzen einer zeitgenössischen Medienästhetik der Empathie.
Die Gesprächsreihe conversation pieces wird kuratiert von Anna-Lena Panter im Rahmen der Kooperation von transmediale x Tropez.
