installation
Rare Earth

Guely Morató Loredo, Rare Earths, transmediale 2026, installation at CANK

Rare Earths ist eine Klanginstallation, die eine direkte und verstörende Metapher entwirft: den Menschen als ein Wesen, das den Planeten verschlingt. Eine essbare Skulptur aus Salz und Zucker lädt Besucher:innen nicht nur dazu ein, ein Stück davon zu essen, sondern auch so viel Salz oder Zucker mitzunehmen, wie sie möchten. Dieser Akt der Entnahme spiegelt alltägliche Formen von Extraktion und Aneignung und übersetzt großskalige territoriale Ausbeutung in eine intime, häusliche Geste.

Die Installation ruft die andine Landschaft des Lithium-Dreiecks auf – ein Ökosystem aus mehr als 65 miteinander verbundenen Salzlakenfeldern, das sich über Argentinien, Bolivien und Chile erstreckt. Es handelt sich um ein Gebiet, das historisch ausgebeutet wurde, in dem seit Jahrhunderten Mineralien wie Silber, Kupfer, Gold und Zink abgebaut werden. Paradoxerweise beherbergt dieselbe Region heute rund 65 % der weltweit bekannten Lithiumreserven – eine zentrale Ressource in gegenwärtigen Narrativen von Energiewende und sauberer Technologie.

Rare Earths setzt innerhalb seiner eigenen skulpturalen Landschaft einen Prozess schrittweiser Zerstörung in Gang, ausgelöst durch Klangfrequenzen, die in Bergbauumgebungen aufgenommen wurden. Die Vibrationen erodieren den essbaren Berg, verschieben und fragmentieren ihn – als buchstäbliche Geste extraktiver Praktiken, die durch den Diskurs „sauberer Energie“ aufrechterhalten und legitimiert werden. Diese Desintegration ist nicht bloß ein formales Ergebnis, sondern eine politische Handlung, befördert von internationalen Institutionen und unternehmerischen Interessen.

Der klangliche Raum verstärkt jene Stille, die der Technokolonialismus fortzuschreiben sucht: die Stille geopferter Territorien, veränderter Ökosysteme und unsichtbar gemachter Gemeinschaften. Rare Earths konfrontiert die Betrachtenden mit ihrer eigenen Rolle innerhalb einer globalen Kette von Extraktion, Konsum und Erschöpfung – und verwandelt Kontemplation in einen Akt geteilter Verantwortung.