Die Lecture-Performance On the Cybergothic ist eine audiovisuelle Untersuchung der Politik der Substitution. WĂ€hrend die Substitution von Politik eine allgemeine Bedingung ist (âNachdem wir die Politik gesucht haben, um ihr zu entgehen, bewegen wir uns nebeneinander, sodass wir auĂer uns sein könnenâ, sagen Moten und Harney in The Undercommons), ist die Politik der Substitution eines ihrer digital entstandenen Symptome. WĂ€hrend uns der Neoliberalismus âPolitikâ als Ersatz anbietet, wachsen unsere digitalen Schatten zu DoppelgĂ€ngern heran â Stellvertreter unseres Selbst in den Augen gröĂerer Infrastrukturen. Von digitalen Zwillingen und Trauer-Bots bis hin zum Smart Home als Dual-Use-Technologie sind die Welten cybergotischer Gewalt nie weit entfernt. Wie weit erstreckt sich diese Substitution? Was spukt in unseren Online-RĂ€umen? Welche Formen des Seins, Trauerns und Existierens im digitalen Raum können wir verkörpern?
Daran schlieĂt sich eine kollektive Diskussion an, die den weiteren Rahmen der Politik des Spuks/der Verhexten hinterfragt und FĂ€den aus den transmediale-BeitrĂ€gen der Forschungsgruppe Critical Infrastructures and Image Politics (Winchester School of Art) aufnimmt.
âUnsere Zeit hat ein dunkles Herz, reif fĂŒr das Noir, das Gothic und das Barockâ (ZafĂłn 2010). Wie entwickeln wir eine Nekropolitik des Widerstands in einem politischen Klima, das von echten und konstruierten Krisen gesĂ€ttigt ist, das unter unvorstellbaren Bedingungen fortbesteht und uns in etwas hineinsaugt oder stĂŒrzt, das als Cybergothic (Van Elferen 2009, Konior 2020, Anikina 2024) begriffen werden könnte? Wie leben wir in der NĂ€he dieses Horrors, der zugleich greifbar und körperlos ist, wie ertragen wir seine Last, und wie können wir trotz seines wachsenden Gewichts weitermachen?
Das Spuken, schreibt Avery F. Gordon, âzeichnet sich dadurch aus, dass es ein etwas-zu-tun hervorbringt [âŠ] genau in jenem Bereich der Unruhe und der Probleme, in jenem Moment (gleich welcher Dauer), in dem Dinge nicht an ihrem zugewiesenen Platz sind, in dem die Risse und die Strukturen sichtbar werden, in dem die Menschen, die unsichtbar sein sollten, auftauchen, ohne Anzeichen dafĂŒr, wieder zu verschwinden, in dem verstörende GefĂŒhle nicht einfach beiseitegeschoben werden können, in dem etwas anderes, etwas Neues, getan werden mussâ (2008, S. xvi). Dies impliziert auch eine Art von verfluchtem, okkultem Raum, wie ihn Franz Fanon, Sonjah Stanley Niaah oder Katherine McKittrick beschreiben â potenzielle Orte der erlösenden, transformativen SimultanitĂ€t, in denen die spukende PrĂ€senz und die gegenwĂ€rtige Verhextheit sowohl nah als auch synergetisch sind.
Diese Veranstaltung ist Teil einer Kooperation zwischen transmediale und der Forschungsgruppe Critical Infrastructures and Image Politics (CIIP), unterstĂŒtzt von der Winchester School of Arts, University of Southampton.